Es scheint unglaublich, wenn es nicht wirklich stimmen würde. Nach dem Aufruf und der Typisierung für die an Leukämie erkrankte Nadja Mann aus Hohnstedt wurden gleich vier potenzielle Spender gefunden. Vier Menschen mit genetischer Übereinstimmung, die der jungen Mutter ihr Knochenmark und damit ein neues Leben schenken könnten. Ich habe mit ihr über Hoffnung gesprochen und die Sehnsucht, endlich wieder nach Hause zu ihrer Familie zu können. Und darüber, wie es jetzt weitergeht.

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Kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes Anfang 2022 wurde bei Nadja Mann eine aggressive Form von Leukämie festgestellt. Familie und Freunde setzten sofort alle Hebel in Bewegung, um der jungen Mutter aus Hohnstedt zu helfen. Mit einem Fest und einem Konzert wird Geld gesammelt, mit einer Typisierungsaktion wenige Wochen später die Weltweite Datenbank mit regionalen Spendern gefüttert. Und es hat offenbar funktioniert. Wie Nadja Mann jetzt erzählt, wurden vier potenzielle Spender identifiziert und kontaktiert.

Vier auf einen Streich

Die Nachricht erreichte Nadja Mann am Montag vor einer Woche während der zweiten Chemotherapie. “Ich musste erstmal heulen, als ich die Nachricht bekommen habe“, sagt die junge Mutter. Normalerweise würde die Nachricht, ob ein Spender oder eine Spenderin gefunden wurde, immer freitags mitgeteilt. Deshalb hatte sie an eben diesem Montag nicht mit einem Anruf gerechnet. Das aus der Weltweiten Kartei gleich vier geeignete Spender gefunden wird, grenzt auch für sie an ein Wunder. “Das ist mehr als ich je zu träumen gewagt habe“, sagt sie.

Spender bleiben anonym

Die geeigneten Spender werden jetzt untersucht, um weitere Blutwerte festzustellen. “Mein Arzt wird dann denjenigen Spender auswählen, der für mich am besten geeignet ist“, erklärt Mann. Aktuell gebe es in der Klinik aber nur begrenzte Plätze. Nach der Knochenmarks-Transplantation muss die Empfängerin mindestens 28 Tage in Isolation, bis sich das eigene Immunsystem wieder aufgebaut hat. Wer die Spender sind und woher sie kommen, ist aufgrund der Anonymität der Daten nicht bekannt. Allein in Edesheim hatten sich durch den Aufruf und der Erkrankung von Najda Mann mehr als 200 Menschen erstmals typisieren lassen. “Ob mein Spender nun aus Edesheim kommt oder nicht, ist erstmal egal. Es sind Menschen, die allen Menschen auf der Welt helfen können“, freut sich die Hohnstedterin über die gigantische Anteilnahme.

Alle helfen mit

Die Bemühungen ihrer Familie und ihrer Freunde, aber auch der breiten Bevölkerung hat sie aus dem Krankenhaus mitverfolgt. “Es ist schon irgendwie seltsam das so zu erleben, wenn man doch auch irgendwie mitmachen möchte“, sagt sie. Das alles so schnell geklappt hatte – unter anderem ein Konzert in der Edesheimer Kirche, Kuchen- und Geldspenden – beeindruckt sie noch heute. Das sie nun die gute Nachricht erhalten und selbst erzählen kann, soll auch anderen Betroffenen, insbesondere aber den Spendern Mut machen.

Zeit mit der Familie

Nadja Mann freut sich indes, nun erstmals wieder Zeit Zuhause verbringen zu können. Die Diagnose Leukämie erhielt sie kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes Anfang des Jahres. Seit dem haben sich Mutter und Tochter nur wenige Tage gesehen. Ihr selbst geht es inzwischen den Umständen entsprechend gut. “Die Krankheit selbst sieht man mir nicht an, wie zum Beispiel ein gebrochenes Bein. Mir geht es also soweit gut. Auch die Chemo habe ich ganz gut überstanden“, erzählt Mann. Nun will sie so viel Zeit wie möglich mit ihrer Familie verbringen. Und mit vier Chancen steigt auch die Hoffnung, diese schwierige Zeit gemeinsam zu überstehen – und wieder gesund zu werden.

Die Transplantation aus dem Knochenmark

Sie hofft, dass die Transplantation innerhalb der kommenden Wochen stattfinden kann. Denn auch die Ärzte wollen nicht zu lange warten. Sobald einer der Spendenden als passend eingestuft wird, wird ihm Knochenmark entnommen. Laut Stefan-Morsch-Stiftung, die auch Nadja Mann betreut hat, gibt es hier zwei Verfahren. Bei der Entnahme direkt aus dem Knochenmark wird der Beckenknochen unter Vollnarkose punktiert und die Stammzellen werden aus dem Knochenmark entnommen. „Es wird niemals aus dem Rückenmark entnommen“, betont die Stiftung.

Knochenmarkspende aus dem Blut

Bei der zweiten Variante, die auch als Apherese genannt wird, wird das Knochenmark aus dem Blut des Spenders gewonnen. Dem Stammzellspender wird laut Stiftung in einem Zeitraum über etwa vier Tage ein körpereigener Botenstoff verabreicht. Dieses Medikament (G-CSF), das unter die Haut gespritzt wird, stimuliert die Produktion der Stammzellen, die dann aus dem Knochenmark in das periphere Blut übertreten. Hierbei können grippeähnliche Nebenwirkungen auftreten, heißt es auf der Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung. Die Symptome klingen nach der Spende rasch ab. Über Zentrifugation werden die Blutzellen getrennt und die Stammzellen abgesammelt. In wenigen Fällen muss die Entnahme am zweiten Tag wiederholt werden. Die Spende erfolgt ambulant, ein stationärer Aufenthalt ist nicht erforderlich.

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