Die Hochwasserlage nach Weihnachten scheint sich zu entspannen. Die Pegel fallen oder sind stabil, der Leinepolder bei Slazderhelden ist so voll wie noch nie. Feuerwehren und Behörde aber bleiben in Alarmbereitschaft.

Polder mit Rekordhoch

Es waren Tage der Anspannung und Entbehrung. Hunderte ehrenamtliche unterschiedlicher Rettungsorganisationen haben Weihnachten nicht im Kreise der Familie gefeiert, sondern Sandsäcke befüllt und Keller leer gepumpt. Vor allem in der Region Einbeck waren Straßen und Keller geflutet. Tagelang wurde der Blick auf den Leinepolder in Salzderhelden gerichtet. Dort musste frühzeitig Wasser abgelassen werden, um Platz für neue Wasser aus Rhume und Leine zu schaffen. Am ersten Tag nach Weihnachten ist der Füllstand des Naturschutzgebietes auf einem Rekordhoch. Mit 40,522 Millionen Kubikmeter ist der Polder mit 109,52 Prozent mehr als randvoll. Alle Ausgleichs- und Notflächen wurden mitgenutzt. Gleichzeitig werden rund 250 Kubikmeter pro Sekunde abgelassen (Stand 27.12.2023, 8 Uhr). Inzwischen fließt aber weniger neues Wasser nach.

Statt Weihnachtsgeschenken haben hunderte Helfer im Landkreis Northeim über Weihnachten Sandsäcke gepackt.

Pegel fallen

Südlich des Polders fallen die Pegel deutlich. Die Rhume in Northeim misst am Mittwochmorgen 30 Zentimeter weniger als am Abend des 2. Weihnachtsfeiertages. Mit rund 3,40 Metern wurde über Weihnachten ein Höchststand erreicht, höher noch als 1998 und 2007. Und am Messpunkt in Berka hat die Rhume deutlich an Höhe verloren. Hier hatten Feuerwehren aus dem gesamten Gemeinde- und Kreisgebiet über die Festtage Sandsäcke gefüllt, ähnlich wie in Northeim. Lediglich bei Greene stieg der Pegel seit gestern auf über 6,50 Meter an. Dort liegt die Leide nördlich zum Polder, der große Mengen Wasser abgibt. Laut Kreisfeuerwehr sind die Helfer in Alarmbereitschaft, akute Gefahr besteht aber nicht. Gleiches gilt in Northeim und der Gemeinde Katlenburg-Lindau. „Die Lage hat sich entspannt. Wir sind weiterhin in Alarmbereitschaft“, sagt der Rhumetaler Gemeindebrandmeister Sven Helmold.

Am Dienstag machte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ein Bild von der Lage an der Dammbruchstelle in Northeim

Blaues Auge

Das Northeimer Stadtgebiet scheint mit einem Blauen Auge davongekommen zu sein. Ob dies nun links – Dammbruch an der Rhume – oder rechts – Bootshaus und Restaurant überflutet – eingefärbt ist, müssen Stadt und Behörden nachträglich bewerten. Gleichwohl gab es auch Lichtblicke. Bewohner brachten den ehrenamtlichen Helfern in Northeim, Katlenburg und Einbeck immer wieder Kaffee, Getränke, Kekse, Kuchen und Verpflegung. In Northeim haben sich Pizzabäcker dazu entschieden, den Rettungskräften ihre Waren kostenfrei zu überlassen. In Gottesdiensten zu Heiligabend wurde an die ehrenamtlichen Helfer erinnert, die zu Weihnachten nicht im Kreise ihrer Familien sein konnten.

Foto: Kreisfeuerwehr Northeim.

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