Am 27. September wird die Northeimer Innenstadt wieder zur Laufstrecke. Nach rund 1.800 Teilnehmenden im vergangenen Jahr hat Organisator Paul Lehmann für 2026 schon eine neue Zahl im Kopf. Vor allem freut er sich auf viele Kinder auf den Kurzstrecken und Firmen und Vereine in der Staffel. Anmeldeschluss ist am 23. September.
Bevor gelaufen wird, muss gearbeitet werden
Wer Paul Lehmann in diesen Wochen sucht, hat im Wieter gute Chancen. Dort, wo Ende September Laufschuhe über schmale Wege gehen, wo Wurzeln aus dem Boden ragen und Büsche gern genau dort wachsen, wo sie aus Sicht eines Läufers am wenigsten gebraucht werden, beginnt der Northeimer Stadtlauf lange vor dem ersten Startschuss. Lehmann verbringt viel Zeit im Wald, geht die Strecke ab, schneidet Büsche zurück, kontrolliert Wege und arbeitet daran, dass aus einer geplanten Route eine sichere Laufstrecke wird. Es gehört zu den unsichtbaren Seiten einer Veranstaltung, deren sichtbarer Teil später aus Startnummern, Musik, Applaus und Menschen besteht, die sich freiwillig körperlich anstrengen und dafür sogar Startgeld bezahlen.
Genau in diesen Vorbereitungen steckt ein wichtiger Teil der Geschichte des Northeimer Stadtlaufs. Wenn am Sonntag, 27. September, auf dem Münsterplatz die ersten Läuferinnen und Läufer starten, haben viele andere Menschen ihren Teil längst erledigt. Lehmann organisiert den Stadtlauf gemeinsam mit dem Kreissportbund Northeim-Einbeck, hat Sponsoren angesprochen, Schulen für die Veranstaltung begeistert und Helfer zusammengebracht. Die Freiwillige Feuerwehr wird Straßen absichern. Die DLRG Northeim begleitet den Wieter-Trail-Run, hilft bei den Vorbereitungen im Wald, sichert die Strecke und schickt zugleich eigene Läufer ins Rennen. Selbst dort, wo ein Teilnehmer irgendwann allein zwischen Bäumen und Wurzeln unterwegs zu sein scheint, trägt ihn also eine Veranstaltung, an der viele Menschen gemeinsam gearbeitet haben.
Aus 1.800 sollen 2.000 werden
Im vergangenen Jahr standen rund 1.800 Menschen beim Northeimer Stadtlauf an unterschiedlichen Startlinien, während mehrere tausend Zuschauerinnen und Zuschauer entlang der Strecke für Stimmung sorgten. Für die Organisatoren bedeutete das einen neuen Teilnehmerrekord. Paul Lehmann will diese Marke 2026 noch einmal verschieben und hofft auf 2.000 Teilnehmende.
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Eine solche Zahl wirkt zunächst abstrakt, bis man sich klarmacht, wer dahintersteht. 2.000 Menschen bedeuten 2.000 unterschiedliche Gründe, an diesem Sonntag Laufschuhe anzuziehen. Da ist das Kind, das zum ersten Mal eine Startnummer trägt, die erfahrene Läuferin, die ihre Zeit verbessern möchte, der Kollege, der sich zu einer Firmenstaffel überreden ließ, und der Trail-Läufer, der sich auf mehr als 21 Kilometer durch den Wieter vorbereitet hat. Der Northeimer Stadtlauf bringt diese sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Sport an einem Ort zusammen. Gerade darin liegt seine Stärke, weil es an diesem Tag nicht nur darum geht, wer am schnellsten laufen kann. Entscheidend ist zunächst, wer sich überhaupt auf den Weg macht.
Fünf Menschen, acht Kilometer und eine gemeinsame Sache
Besonders deutlich wird dieser Gedanke bei der Teamstaffel. Um 16.15 Uhr fällt der Startschuss für die 8.000 Meter lange Staffel, die sich aus fünf Abschnitten zu jeweils 1,6 Kilometern zusammensetzt. Unternehmen, Vereine und Schulen können Teams anmelden. Jede Läuferin und jeder Läufer absolviert eine große Runde durch die Innenstadt. Das Startgeld beträgt 40 Euro pro Staffel, gewertet werden die ersten fünf Teams.
Auf dem Papier klingt das überschaubar: fünf Menschen, fünf Runden und acht Kilometer. In der Praxis entsteht daraus eine Erfahrung, die sich kaum auf die reine Distanz reduzieren lässt. Eine Staffel verändert das Laufen, weil der eigene Abschnitt endet, während der Wettbewerb weitergeht. Einer läuft los, die anderen warten. Einer kommt zurück, der nächste übernimmt. Plötzlich hängt das eigene Ergebnis unmittelbar mit der Leistung anderer Menschen zusammen. Wer normalerweise allein seine Laufschuhe schnürt, steht nun mit Kolleginnen, Vereinsfreunden oder Mitschülern an der Strecke und wartet auf den Moment der Übergabe.

Damit wird die Staffel zu einem ziemlich einfachen Test für etwas, über das Unternehmen und Vereine sonst gern ausführlich sprechen: Teamgeist. Beim Stadtlauf steht er nicht in einem Leitbild und nicht auf einer Präsentationsfolie, weil er auf der Strecke sichtbar wird. Man wartet aufeinander, feuert sich an, übernimmt Verantwortung für seinen Abschnitt und erlebt am Ende gemeinsam, was fünf einzelne Runden ergeben können. Gerade deshalb lohnt es sich für Firmen und Vereine, jetzt ein Team zusammenzustellen. Es braucht keine fünf Spitzenläufer. Es braucht fünf Menschen, die gemeinsam antreten wollen und am Ende sagen können, dass sie diese acht Kilometer miteinander geschafft haben.
Wer sich bislang gefragt hat, ob der Stadtlauf etwas für die eigene Belegschaft, die Trainingsgruppe oder den Verein sein könnte, hat mit der Staffel eine unkomplizierte Möglichkeit, es auszuprobieren. Der Meldeschluss ist am 23. September um 24 Uhr. Für die Teamstaffel sind keine Nachmeldungen vorgesehen. Wer dabei sein möchte, sollte das Team deshalb jetzt zusammenstellen, denn am Ende bleibt wahrscheinlich weniger die gestoppte Zeit im Gedächtnis als der Moment, in dem der nächste Läufer bereitsteht, die anderen am Rand rufen und aus fünf einzelnen Leistungen eine gemeinsame Erinnerung wird.
21,44 Kilometer durch den Wieter
Ein völlig anderes Laufgefühl beginnt bereits um 13.10 Uhr, wenn der Wieter-Trail-Run startet. Vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern liegen 21,44 Kilometer durch den Wieter. Mehr als die Hälfte der Strecke führt über Trails, weniger als drei Kilometer verlaufen auf Straßen. Insgesamt warten rund 460 Höhenmeter im Anstieg und 455 Höhenmeter im Abstieg. Der höchste Punkt liegt mit 356 Metern am Wieterturm, Verpflegungsstellen sind ungefähr bei Kilometer 6, 10, 14 und 17 vorgesehen.
Diese Zahlen erzählen allerdings nur einen Teil dessen, was den Lauf besonders macht. Ein Halbmarathon auf Asphalt verlangt Ausdauer und eine gute Einteilung der Kräfte. Im Wieter kommt die Aufmerksamkeit für den Untergrund hinzu. Wurzeln, schmale Wege, Steigungen und wechselnde Bodenverhältnisse bestimmen den Rhythmus. Wer dort läuft, kann sich nicht nur auf die Uhr konzentrieren, weil der Wald ständig neue Entscheidungen verlangt. Genau daraus entsteht das besondere Erlebnis dieses Rennens.
Der Wieter-Trail-Run zeigt zugleich eine Seite Northeims, die im Alltag leicht übersehen wird. Nur wenige Kilometer vom Münsterplatz entfernt beginnt ein Gebiet, in dem aus einem Stadtlauf innerhalb kurzer Zeit ein anspruchsvoller Lauf durch Wald und Gelände wird. Paul Lehmann investiert deshalb schon im Vorfeld viel Zeit in die Strecke. Er kontrolliert Wege und schneidet Bereiche frei. Unterstützt wird er von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern der DLRG Northeim, die im Wald mit anpacken, den Trail-Run begleiten und absichern und zum Teil selbst am Rennen teilnehmen. Der einzelne Läufer muss die 21,44 Kilometer natürlich aus eigener Kraft bewältigen. Dass er sie sicher laufen kann, ist allerdings das Ergebnis gemeinsamer Arbeit.
Die kleinsten Startnummern gehören zu den wichtigsten
Wenige Minuten nach dem Start des Trail-Runs verändert sich die Stimmung auf dem Münsterplatz. Um 13.20 Uhr beginnt der Bambini-Lauf der Stadtwerke Northeim. 550 Meter warten auf Kinder des Jahrgangs 2021 und jünger. Danach folgen die Schülerläufe mit 700 Metern für die U8, 1.000 Metern für die U10, 1.600 Metern für die U12 und schließlich 3.200 Metern für die Altersklassen U14 und U16.
Gerade diese Wettbewerbe zeigen, warum der Stadtlauf mehr sein möchte als eine Veranstaltung für erfahrene Läuferinnen und Läufer. Ein kleines Kind denkt beim ersten Start kaum über Trainingspläne, Renntaktik oder persönliche Bestzeiten nach. Es sieht andere Kinder, hört das Stimmengewirr auf dem Münsterplatz, entdeckt irgendwo Eltern, Großeltern oder Geschwister am Rand und wartet darauf, dass es endlich losgeht. Für manche ist der Lauf nach wenigen Minuten vorbei. Die Erinnerung daran kann sehr viel länger bleiben.

Genau dafür ist der Stadtlauf gemacht. Kinder und Jugendliche sollen Bewegung als etwas erleben, das Freude macht, Ehrgeiz weckt und Gemeinschaft schafft. Gewinnen darf wichtig sein, ebenso das Ziel, schneller zu werden oder eine bestimmte Strecke durchzuhalten. Noch wichtiger ist bei den jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern häufig der erste Schritt über eine Startlinie. Der Kreissportbund und das Organisationsteam haben deshalb Schulen angesprochen und Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme motiviert. Für die drei teilnehmerstärksten Kindertagesstätten, Grundschulen und Schulen gibt es eigene Sonderwertungen. Damit entsteht ein Wettbewerb, bei dem nicht nur einzelne Kinder zählen, weil auch die Gemeinschaft einer ganzen Einrichtung sichtbar wird.
Ein Nachmittag mit vielen Wegen ins Ziel
Zwischen diesen drei großen Geschichten bietet der Stadtlauf weitere Möglichkeiten, selbst dabei zu sein. Bereits um 13.10 Uhr startet der 5.000-Meter-Walking-Lauf. Um 14.05 Uhr beginnt neben den Schülerwettbewerben der 3.200-Meter-Jogginglauf. Es folgen um 14.30 Uhr die 4,8 Kilometer und um 15.15 Uhr die 9,6 Kilometer, bevor um 16.15 Uhr die Teamstaffel den sportlichen Nachmittag beschließt. Start und Ziel der Innenstadtläufe liegen auf dem Münsterplatz. Die Startnummernausgabe öffnet am Veranstaltungstag ab 11 Uhr im Bürgersaal.
Das Startgeld reicht je nach Wettbewerb von drei Euro für den Bambini-Lauf bis zu 16 Euro für den Wieter-Trail-Run. Im Organisationsbeitrag enthalten sind unter anderem Obst und Getränke. Nach dem Lauf besteht zudem die Möglichkeit einer Massage, außerdem bekommen die Starter ein Stadtlauf-Geschenk. Für die Einzelrennen über 4,8 und 9,6 Kilometer sowie für den Wieter-Trail-Run sind am Veranstaltungstag Nachmeldungen gegen eine zusätzliche Gebühr möglich. Für die Staffel gilt diese Möglichkeit nicht, weshalb Unternehmen und Vereine ihre Teams frühzeitig festmachen sollten.
Bis zum 27. September wird Paul Lehmann noch einige Stunden im Wald, am Telefon und in der Organisation verbringen. Feuerwehr, DLRG, Kreissportbund, Sponsoren, Schulen und viele weitere Helfer werden ebenfalls ihren Teil beitragen. Wenn schließlich Kinder über den Münsterplatz laufen, Staffeln ihre nächsten Läufer losschicken und die Teilnehmer des Wieter-Trail-Runs aus dem Wald zurückkehren, wird sichtbar, was hinter der erhofften Zahl von 2.000 Teilnehmenden steckt. Es sind viele einzelne Menschen, die ihren eigenen Lauf bestreiten und dabei Teil einer gemeinsamen Veranstaltung werden, bei der kaum jemand wirklich allein unterwegs ist.






