Der Eisstock liegt schwer in der Hand, ein letzter Atemzug, dann schnellt der Arm nach vorn. Ein scharfes Kratzen auf dem Eis, der Stock gleitet, taumelt kurz und kommt wenige Zentimeter vor der Daube zum Stehen. Ein Raunen läuft durch die Menge. Jemand pfeift, Jubel bricht aus. Das Finale beim KSN Cup auf der Northeimer MünsterWeihnacht. Jetzt zählt jeder Wurf.

Ringsum riecht es nach Zimt, Bratwurst und heißem Apfelsaft. Aus den Buden klingt leises Stimmengewirr, Gläser stoßen aneinander. Doch an der Eisstockbahn ist davon kaum etwas zu hören. Hier herrscht diese besondere Stille, die es nur im Sport gibt, kurz bevor etwas Entscheidendes passiert. Dann bricht der Jubel los, laut, ehrlich, mitten ins Herz.

Die Holzbanden sind vom Abendlicht warm angestrahlt.. Jacken rascheln, Schals werden fester gezogen. Manche Zuschauer wechseln zwischen Glühweinbecher und geballter Faust. Eisstockschießen wirkt harmlos, bis man es einmal im Finale erlebt hat. Zentimeter werden zu Dramen, kleine Fehler zu großen Geschichten. Doch am Ende zählen Freude, Spaß – und der Pokal!

Michael Böhnert steht am Ende der Bahn, immer wieder wandert sein Blick zwischen Spielfeld und Publikum. Der Eventmanager der NOM WMT, verantwortlich für das, was hier passiert, ist heute auch Spielleiter und Chef-Schiedsrichter. Wenn er von mega Stimmung spricht, klingt das fast nüchtern im Vergleich zu dem, was sich vor ihm abspielt. Viele Besucher, viele Unterstützer der Teams. Faire und extrem spannende Spiele. Es sind Sätze wie aus einem Bericht, aber sie tragen den Puls dieses Abends in sich.

Ein Stock prallt gegen die Bande, Gelächter brandet auf. Der nächste gleitet perfekt ins Ziel, Applaus, Pfiffe, ein anerkennendes Nicken vom gegnerischen Team. Schwarzwild ist dran, dann Sliding Mums. Die SUS Traditionself antwortet, die TPK Seahawks kontern. Hightower Northeim, Eintracht 1. Herren, die Glücksritter. Namen werden gerufen wie bei einem Fußballspiel. Böhnert, in traditiolell auffallend roter Jacke gekleidet, hebt die Hand. Punkt. Jubel!

Zwischen den Durchgängen ziehen Lichterketten die Blicke nach oben. Musik schallt vom Kinderkarussell, fast verloren im Abend. Kinder laufen mit leuchtenden Augen vorbei, bleiben stehen, drücken sich an die Bande. Die MünsterWeihnacht atmet weiter, während hier vorne der Puls steigt.

Die SUS Traditionself Frauen, Antriebsstark, Corvi Ice Dragons. Die Eisprinzessinnen lachen, bevor sie ernst werden. TPK Dolphins, KSN Nice on Ice, KSN Die Favoriten. Jeder Wurf wird kommentiert, manchmal mit sanfter Ironie, manchmal mit gespannter Erwartung. Machmal laut, manchmal lauter.

Und dann die Bitumen Bomber. Die Würfe sitzen. Einer nach dem anderen. Das Publikum spürt, dass hier etwas zusammenwächst. Ein letzter Durchgang, noch einmal lautes Anfeuert. Nun wird es knapp. „So knapp war es noch nie“, sagt Michael Böhnert.

Der entscheidende Stock gleitet, streift knapp einen Gegner, bleibt liegen. Jubel bricht los, Umarmungen, rote Wangen, Dampf in der kalten Luft. Die Bitumen Bomber haben gewonnen. Applaus auch von den anderen Teams. Fairness ist hier kein leeres Wort. Gewonnen haben alle, die dabei waren.

Später, als die Bahn langsam leerer wird, mischt sich das Adrenalin mit dem Duft von Gebäck und Tannengrün. Gruppen reden über verpasste Chancen, über perfekte Würfe. Manche haben die Bahn vorher für einen Kindergeburtstag gemietet, andere kommen direkt aus dem Büro. Die Auslastung war hoch, die Stimmung bleibt.

Und nächstes Jahr? Böhnert lächelt, fast so, als hätte er die Antwort schon gehört. Die Teams kommen gerne wieder. Vielleicht, weil es hier nicht nur ums Gewinnen geht. Sondern um diese Abende, an denen Eis knirscht, Lichter leuchten und ein Weihnachtsmarkt für ein paar Stunden zur Sportarena wird.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein