Amazon wird sich nicht mit einem Verteilzentrum im geplanten Industriegebiet West in Northeim ansiedeln. Die Absage wurde den Mitgliedern des Northeimer Finanzausschusses am Montag durch den Investor bekannt gegeben. Dass der weiterhin am Kauf des Grundstücks interessiert ist, macht Hoffnung.

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Amazon sagt nein

Erstmals bestätigte die Stadtverwaltung im Mai 2020, dass der Versandriese zusammen mit einem Investor daran interessiert sei, ein Paketverteilerzentrum für Amazon-Bestellungen in Northeim zu errichten. Seitdem verzögerte die Politik die endgültige Entscheidung. Zur Ratssitzung Ende 2021 sollte sie noch einmal auf den Tisch kommen. Doch schon im Ausschuss wurde bekannt geben: Amazon habe neue Pläne – ohne Northeim.

Ursprünglich war ein gut 7.000 Quadratmeter großes Areal geplant. In einem Pressegespräch wurden die detaillierten Pläne vorgestellt. Gleichzeitig sollten bis zu 120 Menschen an dem Standort Arbeit finden.

Zwei Jahre harte Arbeit

Für Bürgermeister Simon Hartmann und Wirtschaftsförderin Christiane Unger war es das Vorzeigeprojekt für die Rhumestadt und das Sahnehäubchen für das geplante Industriegebiet West. Nun die Abkehr: Statt neu zu bauen, habe sich Amazon dazu entschlossen, in bestehende Standorte zu investieren. „Diese für uns überraschende Nachricht von Amazon bedauere ich sehr“, sagt Bürgermeister Simon Hartmann auf Nachfrage.

Laut Hartmann habe die Stadtverwaltung seit mehr als zwei Jahren „intensiv an diesem Ansiedlungsvorhaben gearbeitet. Es ist unvorstellbar viel Kraft, Herzblut und Engagement in das Projekt geflossen“, so der Bürgermeister. Er sei „sehr stolz auf die engagierte und zielgerichtete Arbeit der Stadtverwaltung zur Stärkung des Wirtschafts- und Arbeitsstandortes Northeim.“

Northeims Bürgermeister Simon Hartmann

Investor will Grundstück trotzdem kaufen

Vom Interesse durch Amazon erhoffte man sich neben den Arbeitsplätzen auch eine Sogwirkung und steigendes Interesse durch andere Firmen, die sich anschließend ebenfalls am Industriegebiet West angesiedelt hätten. „Unser Engagement für den Wirtschaftsstandort Northeim geht daher selbstverständlich unvermindert und mit größtem Einsatz weiter, das gilt selbstverständlich auch für die Entwicklung des Industriegebietes West“, so Hartmann.

Dabei begrüßt es der Verwaltungschef, dass zumindest die P3-Gruppe als Amazon-Vermieter weiterhin an einem Kauf des Grundstücks festhalten möchte. „Die komplexe Arbeit am Bebauungsplan ist nach wie vor nicht abgeschlossen, da es sich um ein
Mammutprojekt handelt, das uns täglich vor neue Herausforderungen gestellt hat“, betont Hartmann. Und weiter. „Wir tun aber alles Erdenkliche dafür, diesen so wichtigen Bebauungsplan zum Beschluss zu führen.“

Forderung an die Politik

Auch deshalb richtet Bürgermeister Hartmann noch einmal den dringenden Aufruf und Appell an den neu gewählten Stadtrat, „diesen gemeinsamen Weg nunmehr konsequent weiterzugehen und die erforderlichen Entscheidungen zu treffen.“ Dabei dankt Hartmann allen bisher beteiligten Firmen und Planern und schätzt das Lob von Seiten der Vertragspartner.

Hartmann: „Wir haben immer wieder Schläge für das Projekt einstecken müssen und sind auf teilweise deutliche Widerstände getroffen, von Teilen der Politik und aus einzelnen Bereichen der Bevölkerung. Ich bin als Bürgermeister sehr stolz auf die engagierte und zielgerichtete Arbeit der Stadtverwaltung zur Stärkung des Wirtschafts- und Arbeitsstandortes Northeim.“

Aufatmen anderswo

Doch nicht überall ist man in Northeim traurig über die Absage des Versandriesen. Vor allem Einzelhändler aus dem Innenstadtbereich sorgten sich aufgrund der eh schon schwierigen Lage vor der Ansiedelung von Amazon. Zumindest aber sei es das falsche Zeichen gewesen, hieß es dazu im Spätsommer des vergangenen Jahres.

Doch laut Hartmann lasse sich diese Angst mit dem Amazon-Abschied nicht beseitigen. „Ich kann nur nochmals betonen, dass auch der Arbeitsmarkt in Northeim einen erheblichen Wandel erleben wird und dass es wichtig ist, allen Menschen einen berufliche Perspektive bieten zu können“, macht der Bürgermeister deutlich. Deshalb sei nun „von allen Beteiligten weiterhin vorausschauendes Handeln erforderlich“.

 

1 Kommentar

  1. Zögern und Zaudern bis zur Abwehr von zukunftsorientierten Erneuerungen hat sich wieder einmal als eine der „Northeimer Tugenden“ erwiesen. „Verzicht auf Fortschritt ist Rückschritt“, dieses Sprichwort unserer heutigen Zeit ist hier irgendwo verhallt in unserem schönen Wieter-Wald. Wenn überhaupt, dann sind es eher das Stadtsäckel auf Dauer belastende Projekte die hier Chancen haben. Mich hat es nie verwundert, wenn gute Leute aus der Verwaltung abgewandert sind. Aber insgesamt gesehen passt Northeim in das Gesamtbild von Deutschland im Bezug auf das „Hinterherlaufen im digitalen Zeitalter“, in dem andere und sogar ärmere Länder längst angekommen sind. Ein moderner und aufgeschlossener Stadtvater hat hier die Chance mit der Zeit zu einem „Don Quichotte“ umfunktioniert zu werden.

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