Noch immer stecken sich auch im Landkreis Northeim Menschen mit dem Corona-Virus an. Im Landesvergleich sind dies aber so wenige, dass der Kreis nun die Bestenliste anführt. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 37 nähert sich die Region schon zum zweiten Mal in dieser Woche der magischen Grenze von 35 – und damit erneuten Lockerungen bei den Kontakten. Anderswo steigen die Zahlen allerdings drastisch, weshalb auch die Northeimer Werte mit Vorsicht zu genießen sind.

Offizielle Zahlen

Der Landkreis Northeim meldet am Mittwoch einen Inzidenzwert von 37, am Donnerstag waren es wieder 40. Für die Zeit von Freitag bis Montag hat die Kreisverwaltung angekündigt, keine neuen Zahlen zu veröffentlichen. Das Land Niedersachsen aber meldet am Karfreitag wieder zehn Neuansteckungen und eine Inzidenz im 7-Tage-Vergleich von 37 – also erneut einen Rückgang der Neuansteckungen.

Anders sieht das Ganze in den Nachbarkreisen aus. In Holzminden steigt die 7-Tage-Inzidenz von 75,2 auf 83,7 und nun 63,9. In Göttingen sogar von 69,6 auf 88,8 und schließlich auf 78,8. In der Vergangenheit hatten diese steigenden Nachbarzahlen auch Einfluss auf die Ansteckungen im Kreis Northeim. Sollte der Wert unter 35 fallen, sind zudem wieder mehr Kontakte erlaubt. Hier gilt dann die Regel: Drei Haushalte, maximal zehn Personen – wobei sich die Personenbeschränkung nach neuer Niedersächsischer Verordnung noch anpassen lässt. Bei der letzten Lockerung vor etwa zwei Wochen stiegen die Zahlen innerhalb von wenigen Tagen wieder drastisch an.

Das sagt der Landkreis dazu

Eine Bewertung dieser klaren Entwicklung in Northeim gegen den landesweiten Trend traut sich die Kreisverwaltung nicht zu. Auch, weil das Pandemiegeschehen im Landkreis Northeim (…) nicht wissenschaftlich begleitet“ wird, wie es auf Anfrage heißt. Aus diesem Grund lassen sich „belastbare Aussagen kaum treffen“.

Das Land Niedersachsen meldet täglich aktuelle Infektionszahlen. Der Landkreis Northeim sticht seit Wochen „positiv“ hervor, widersetzt sich jedem Trend. Warum?

Eine Vermutung traue sich das Kreisgesundheitsamt aber doch zu, erklärt Kreissprecher Dirk Niemeyer. „Ausgehend von der Tatsache, dass die Übertragung des Coronavirus (SARS-CoV-2) vermutlich hauptsächlich über Tröpfchen – also Viren, die von den Erkrankten über die Atemwege ausgeschieden werden, geschieht, liegt es also am verständigen Verhalten der Bürgerinnen und Bürger, Kontakte nach Möglichkeit einzuschränken bzw. die AHA-Regeln konsequent einzuhalten.“

Neben dem Lob an die Menschen im Landkreis bewertet das Kreishaus auch die eigene Arbeit als erfolgreich. Insbesondere die „konsequente Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsdienste, welche unverzichtbar ist, um Infektionsketten zu unterbrechen“, sei wirksam im Kampf gegen die Pandemie.

Warum so wenige Neuansteckungen

Noch vor gut zwei Wochen haben sich täglich mehr als 20 Menschen neu mit dem Virus angesteckt. In diesen Fällen endet nun die Quarantäne, zudem ist die tatsächliche Zahl der Neuinfektionen – und die ist relevant für die Bemessung des Inzidenten durch den Landkreis – deutlich geringer.

Und auch die Zahlen aus den Krankenhäusern machen Hoffnung. Die Helios-Klinik in Bad Gandersheim meldet derzeit keinen einzigen Patienten mit positivem Corona-Befund. In der Northeimer Klinik sind es zwei, wovon ein Patient intensivmedizinisch betreut wird. Bedenklich ist hingegen die steigende Zahl der an oder mit Corona verstorbenen. In den vergangenen zwei Wochen kamen drei neue Fälle hinzu.

Der Landkreis Northeim führt die Tabelle mit zurückgehenden Neuinfektionen in Niedersachsen an und entwickelt sich dabei entgegen alle anderen Trends. Allein diese Tatsache sollte stutzig machen. Konkrete Anhaltspunkte, woran das aber liegt, gibt es nicht. Auch in andere Städte und gemeinden ist davon auszugehen, dass sich die Menschen an die Hygienebestimmungen halten. Auch andere Landkreise werden konsequent Kontakte nachverfolgen.

Ein Erklärungsversuch. Und eine Warnung.

Dank mobiler und stationärer Testzentren und einem wöchentlichen Test für alle Bürger Gratis nimmt auch im Landkreis Northeim die Menge der Tests zu. Sollten die Zahlen jetzt auch zwischen Uslar und Einbeck deutlich steigen, muss sich die Kreisverwaltung fragen lassen, wie konsequent in der Vergangenheit getestet und wie mit diesen Ergebnissen umgegangen wurde.

Hier waren andere Landkreise vielleicht genauer, denn sie melden genau wie Northeim die Werte an das Land – erst dort wird über Lockerungen oder neue Einschränkungen entschieden. Das helfe auch bei der gemeinsamen Bekämpfung im Land, heißt es aus dem Kreishaus: „Was alle Landkreise in Niedersachsen außerdem eint, ist die Nieders. Corona-Verordnung, denn alle Maßnahmen und Restriktion, die vor Ort und über alle Kreisgrenzen hinweg gelten, haben in dieser ihre Legitimation.“

Im Kreishaus jedenfalls sei man sich durchaus bewusst, was über die Kreisgrenzen hinaus geschieht, betont Sprecher Niemeyer. Die Landräte in der Region stünden „selbstverständlich (…) regelmäßig (im) Austausch“. Auch zu den Bürgermeistern im Landkreis Northeim finde ein „partnerschaftlicher Austausch statt“. Was in Holzminden, Hildesheim oder Göttingen passiere, „können wir aber nicht kommentieren“, so Niemeyer.

Zumindest dort fallen zu Ostern die Zahlen ebenfalls wieder leicht. Die Polizei hatte in für ganz Niedersachsen bereits angekündigt, die Kontaktbeschränkungen und das Ansammlungsverbot genau zu kontrollieren. 

 

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein