Weihrauch Uhlendorff gehört zu den Unternehmen, die in Northeim nicht laut auftreten müssen, um sichtbar zu sein. Wer hier zur Schule fährt, zur Arbeit pendelt, zur Waldbühne möchte oder mit dem Reisebus unterwegs ist, begegnet diesem Namen früher oder später ganz praktisch: an der Haltestelle, auf der Straße, beim Einsteigen. Wie das funktioniert, wollte nun die NOM WMT ganz genau wissen – und durfte das Traditionsunternehmen besuchen.
Auf dem Betriebshof ist an diesem Nachmittag wenig Bewegung. Ein Bus rollt langsam vorbei. Türen öffnen sich, schließen sich wieder, irgendwo piept ein technisches Signal, jemand geht mit schnellen Schritten über den Hof. Es ist diese Art von Geschäftigkeit, die nicht viel Aufhebens macht. Sie ist einfach da. Jeden Tag. Früh morgens, wenn viele noch nicht richtig wach sind. Abends, wenn andere längst Feierabend haben. Northeim wird hier nicht in großen Worten bewegt, sondern mit Fahrplänen, Verantwortung und Menschen am Steuer. Die eigentliche Arbeit findet draußen statt, auf den Straßen in Northeim.

WMT besucht Unternehmen
Für WMT-Geschäftsführer Michael Eilers-Turau und Wirtschaftsförderin Hanna May ist der Besuch bei Weihrauch Uhlendorff deshalb mehr als ein klassischer Unternehmensbesuch. Es geht nicht nur darum, Zahlen zu hören, Investitionen einzuordnen oder über Zukunftspläne zu sprechen. Es geht um ein Unternehmen, das tief in der Stadt verwurzelt ist. Und es geht um die Frage, wie sich ein Standort verändert, wenn Betriebe mit Geschichte in eine neue Zeit fahren müssen.
Horst Weihrauch kennt diese Fragen. Er ist Northeimer durch und durch. Einer, der die Stadt nicht aus der Distanz betrachtet, sondern aus Erfahrung. Er kennt die Wege, die Menschen, die Eigenheiten. Er weiß, dass Northeim manchmal kompliziert sein kann. Nicht aus bösem Willen. Sondern weil diese Stadt aus vielen Erwartungen, alten Bindungen und sehr verschiedenen Blickwinkeln besteht. Wer hier ein Unternehmen führt, braucht Geduld. Und wahrscheinlich auch ein gewisses Talent dafür, nicht bei jeder Diskussion den Schlüssel in die Ecke zu werfen.
Weihrauch Uhlendorff ist ein Traditionsunternehmen. Das klingt nach Vergangenheit, nach gewachsenen Strukturen, nach einem Namen, der schon lange da ist. Bei genauerem Hinsehen geht es aber stark um Zukunft. Denn der Verkehr verändert sich. Die Anforderungen steigen. Klimaschutz, Technik, Wirtschaftlichkeit und verlässliche Mobilität müssen zusammengebracht werden. Das ist kein hier bei Kaffee und Keksen kein einfacher Satz für eine Sonntagsrede, sondern eine sehr konkrete Aufgabe auf dem Betriebshof „da draußen“.
Die Zukunft ist elektrisch
Das Unternehmen investiert mehrere Millionen Euro in Elektrobusse und Ladeinfrastruktur. Ein Teil davon ist durch gesetzliche Vorgaben und politische Rahmenbedingungen geprägt. Der Wandel kommt also nicht einfach aus Lust an neuer Technik. Die entscheidende Frage ist aber: Geht man diesen Weg nur, weil man muss? Oder weil man darin auch eine Chance sieht?
Für Arne Wolfram, dem designierten Nachfolger von Horst Weihrauch als Geschäftsführer, ist die Antwort klarer, als man vielleicht erwartet. Ja, der Druck ist da. Aber die Überzeugung auch. Elektrobusse passen nach Einschätzung des Unternehmens gut zum Linienverkehr. Feste Strecken, planbare Einsätze, regelmäßige Rückkehrpunkte, passende Ladezeiten. In der Praxis bedeutet das: Busse müssen morgens zuverlässig losfahren, mittags weiterrollen und abends wieder dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Mobilität ist erst dann modern, wenn sie funktioniert.
Dabei ist der Bus vielleicht ein gutes Symbol für diese ganze Geschichte. Er fährt nicht für sich allein. Er verbindet: Dörfer mit der Stadt. Schülerinnen und Schüler mit Schulen. Berufstätige mit Arbeitsplätzen. Ältere Menschen mit Arztterminen, Einkäufen und Teilhabe. Ein Bus ist selten romantisch. Meistens riecht er nach Alltag, manchmal nach nasser Jacke, manchmal nach Pausenbrot. Aber genau darin liegt seine Bedeutung. Er ist Infrastruktur mit menschlichem Gesicht. Und ein perfektes Abbild jener Gesellschaft, die ihn nutzen.
Auch deshalb passt der Austausch mit der WMT. Michael Eilers-Turau und Hanna May hören zu, fragen nach, nehmen Eindrücke mit und bieten konkrete Hilfe an. Die Wirtschaftsförderung ist an solchen Stellen nicht nur Vermittlerin von Förderlogiken oder Standortargumenten. Sie ist auch ein Gesprächsangebot. Horst Weihrauch bewertet die Arbeit der WMT als gutes Zeichen. Wichtig sei, gemeinsam im Gespräch zu bleiben. Zu wissen, was den anderen Bewegt. Was ihn stark macht und manchmal auch in die Knie zwingt. Und, was ihn glücklich macht.
Mit echter Singstimme
Ein besonders schönes Beispiel dafür sind die Shuttle-Fahrten während der Konzerte auf der Waldbühne. Wenn Northeim an solchen Abenden voller wird, wenn Menschen aus der Region und darüber hinaus zur Waldbühne kommen, dann geht es auch um die Wege dorthin. Um Ankommen, Weiterkommen, Wieder-nach-Hause-Kommen. Für die Fahrerinnen und Fahrer sind diese Dienste offenbar mehr als ein zusätzlicher Auftrag. Sie genießen diese Momente. Sie erleben die Stimmung, die Vorfreude, manchmal sicher auch das kleine Verkehrschaos mit Festivalcharakter. An solchen Tagen setzt sich auch Chef Arne Wolfram mal selbst hinter das Steuer, packt an, erlebt mit, hilft aus. Man muss das mögen. Oder zumindest mit einem stabilen Nervenkostüm und einem gewissen Humor nehmen.
Gerade diese Abende zeigen, was Mobilität für eine Stadt bedeuten kann. Sie ist nicht nur Versorgung. Sie ist Teil des Erlebnisses. Wer zur Waldbühne fährt, will keinen komplizierten Start in den Abend. Wer nach dem Konzert wieder zurück möchte, will nicht lange überlegen, wo das Auto steht oder wie der Heimweg gelingt. Ein guter Shuttle ist dann kein Nebenthema. Er ist Teil eines funktionierenden Veranstaltungsstandorts.
Auf Linie
Für Weihrauch Uhlendorff bleibt der Linienverkehr ein zentrales Standbein. Gleichzeitig richtet sich der Blick wieder stärker auf das Reisegeschäft. Dieser Bereich war durch Krisen und Pandemie fast zum Erliegen gekommen. Das ist eine Erfahrung, die viele Unternehmen in der Branche gemacht haben. Erst waren die Busse plötzlich still. Dann kamen Unsicherheit, neue Kosten, veränderte Gewohnheiten. Reisen mit Gruppen, Vereinen oder Betrieben mussten sich wieder neu sortieren. Mittelfristig soll dieser Bereich bei Weihrauch Uhlendorff wieder ausgebaut werden.
Auch darin steckt mehr als ein betriebswirtschaftlicher Plan. Reisebusse erzählen etwas über Gemeinschaft. Über Vereinsfahrten, Betriebsausflüge, Klassenreisen, Tagesfahrten. Über Gespräche auf der Rückbank, Thermoskannen, vergessene Jacken und die eine Person, die garantiert fünf Minuten zu spät am Treffpunkt erscheint. Man kann darüber lächeln. Aber solche Fahrten gehören zu einer regionalen Kultur, die nach der Pandemie nicht einfach automatisch zurückkommt. Sie muss wieder wachsen.
Die Jungend ist die Zukunft
Gleichzeitig steht im Unternehmen selbst ein Generationswechsel bevor. Horst Weihrauch bereitet seinen Nachfolger vor. Für ein Traditionsunternehmen ist das ein entscheidender Moment. Denn Nachfolge bedeutet nie nur, einen Namen in einer Funktion auszutauschen. Es geht um Vertrauen. Um Wissen, das nicht vollständig in Aktenordnern steht. Um Entscheidungen, die aus Erfahrung entstehen. Um ein Gefühl dafür, wann man festhalten muss und wann man loslassen sollte. Mit Arne Wolfram hat er jemanden gefunden, den er nicht mehr loslassen möchte. Einen jungen Mann, der Mobilität liebt und lebt. Der in Northeim eine Chance sieht und nicht bloß eine Gelegenheit.
Genau hier berühren sich die großen Themen mit den kleinen Beobachtungen. Elektromobilität, Investitionen, Fachkräfte, Nachfolge, Stadtentwicklung, Veranstaltungen, Reisegeschäft. Das alles klingt auf den ersten Blick nach sehr unterschiedlichen Baustellen. Bei Weihrauch Uhlendorff laufen sie zusammen. Auf einem Betriebshof. In Fahrplänen. In Gesprächen. In Bussen, die morgens wieder losfahren müssen.
Für Northeim ist das wichtig. Eine Stadt lebt nicht nur von neuen Ideen. Sie lebt auch von Unternehmen, die über Jahrzehnte Verantwortung übernommen haben und trotzdem bereit sind, sich zu verändern. Tradition darf kein Museum sein. Zukunft darf aber auch nicht so tun, als beginne alles erst heute.
Nichts geht von allein
Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte dieses Besuchs: Northeim bewegt sich nicht von allein. Es braucht Menschen, die fahren. Menschen, die investieren. Menschen, die Gespräche führen. Menschen, die Nachfolge planen. Menschen, die auch dann verlässlich bleiben, wenn Technik, Kosten und Erwartungen sich verändern.
Am Ende steht wieder ein Bus auf dem Hof. Vielleicht ist er gerade zurückgekommen. Vielleicht fährt er gleich wieder los. Für die meisten Menschen ist das ein gewöhnlicher Anblick. Für eine Stadt ist es mehr. Es ist ein Zeichen dafür, dass Verbindung Arbeit macht. Jeden Tag. Und dass Zukunft manchmal nicht laut beginnt, sondern mit dem leisen Öffnen einer Bustür.



