Bereits der Auftakt des Festivalwochenendes machte deutlich, worum es beim Theater der Nacht in diesen Tagen geht: Grenzen zwischen Bühne und Alltag verschwinden zu lassen. Mit dem Festival rund um die 10. Deutsche Figurentheaterkonferenz wurde Northeim am Freitagabend selbst zur Kulisse und lud dazu ein, die Stadt für einen Moment mit anderen Augen zu betrachten. Mit der „Nacht der Puppen“ beschließt das Theater der Nacht in Northeim am Samstag, 22. August das 10. Festival mit Hand & Fuß.
Ein U-Boot zieht durch die Stadt
Es begann mit einem Bild, das wohl niemand so schnell vergessen wird. Auf dem Münsterplatz tauchte am frühen Abend das berühmte U-Boot des Theaters der Nacht auf. Menschen blieben stehen, zückten ihre Handys oder lächelten einfach nur. Kinder liefen neugierig näher heran, Erwachsene schauten sich mit einem kurzen, fragenden Blick an. Hat man das gerade wirklich gesehen?
Mit den Walking-Acts von Merle Smalla und Kyra Arndt verwandelte sich der Platz nach und nach in eine Bühne unter freiem Himmel. Figuren begegneten Passantinnen und Passanten, improvisierten kleine Szenen und luden ganz selbstverständlich dazu ein, Teil des Geschehens zu werden. Wenig später setzte sich ein bunter Umzug durch die Innenstadt in Bewegung. Wer eben noch zufällig vorbeigekommen war, lief plötzlich mit. Zwischen Musik, Kostümen und neugierigen Blicken wuchs aus vielen Einzelnen eine gemeinsame Bewegung, die das Publikum bis zum markanten Drachenhaus führte. Dort warteten bereits die „Schrägen Vögel“ und sorgten mit ihrer Musik dafür, dass der Abend nicht mit der Ankunft endete, sondern erst richtig begann.
Ein Park voller kleiner Entdeckungen
Am Samstag und Sonntag verlagert sich das Geschehen auf das Gelände rund um das Theater. Zwischen 14 und 18 Uhr verwandelt sich der angrenzende Park in einen Ort, an dem man sich treiben lassen darf. Wer nicht nur zuschauen will, kann selbst aktiv werden. Masken entstehen gemeinsam mit den Aktivitätern aus Einbeck, Ludmilla Euler gibt Einblicke in die Welt des Figurentheaters, Theaterpädagogin Susanne Pauli lädt zu ihrer Demokra-Tea-Party ein und verbindet spielerisch Theater mit demokratischem Miteinander. Am Sonntag wächst bei Iris Wilhelm-Hirr aus vielen Händen eine gemeinsame Theater-Collage.
Das Picknick bestand aus Geschichten
Mitten im Park entfaltet sich das „Picknick im Park“. Der Name passte erstaunlich gut. Nur werden hier keine Brote ausgepackt, sondern Geschichten.
Clownin Kora Tscherning bezeiht das Publikum in ihre Straßenszenen ein. Andrew Kim rollt mit seinen elektrischen Dreirädern vorbei, die sich unterwegs in kleine Puppenbühnen verwandeln. Ein Kaleidoskopwagen lässt Lichtbilder entstehen, die selbst Erwachsene noch einmal staunen lassen. Keltische Klänge von Kaunoka mischen sich mit den Gitarren von MAGDi. Kamishibai-Erzähltheater, Sonja Lennekes musikalische Erinnerungsrevue und Liam Bo Skol mit seinen erfundenen Geschichten und Gefühlsliedern fügt sich zu einem Programm zusammen, das nicht auf große Effekte angewiesen war.
Den musikalischen Abschluss des Samstags überimmt Singer-Songwriter Andreas Leinemann mit eigenen Liedern sowie Klassikern aus Folk, Country und Rock.
Figuren kennen keine Grenzen
Während draußen das Leben durch den Park zieht, öffnet sich im Theatersaal der Blick über Ländergrenzen hinweg. Das tschechische Theater Tineola präsentiert „Große & Kleine Welten“. Aus den Niederlanden reisten das Magisch Theatertje mit seinem Schattenspiel und das TAMTAM objektentheater mit der poetischen Inszenierung „A Paper Life“ an. Den Abschluss bildet am Sonntag das in Northeim bestens bekannte dänische Sofie Krog Teater mit der Geschichte einer „Diva“, erzählt in leicht verständlichem Englisch.
Wenn aus Zuschauen Mitmachen wird
Mit dem Festival endet die Geschichte nicht. Sie beginnt für viele sogar erst richtig. Während der anschließenden Konferenzwoche geben internationale Workshopleitende täglich Einblicke in ihre Arbeit, bieten Workshops an und öffnen Türen zu einer Kunstform, die oft unterschätzt wird. Den Abschluss bildet traditionell die „Nacht der Puppen“. Am 22. August führt ein gemeinsamer Rundgang durch verschiedene Stationen rund um das Theater. Dort präsentieren die Teilnehmenden, was in einer Woche entstanden ist. Danach übernimmt die Göttinger Band Bacalao mit südamerikanischen Rhythmen den Abend.
Die eigentliche Idee dieses Festivals liegt nicht allein darin, Vorstellungen zu besuchen. Es lädt dazu ein, sich für ein paar Stunden auf eine Welt einzulassen, in der ein U-Boot über den Münsterplatz fährt, Figuren Menschen zum Nachdenken bringen und ein Park zu einer Bühne wird, auf der jeder seinen Platz finden kann. Wer dieses Wochenende durch das Theater der Nacht geht, nimmt am Ende mehr mit nach Hause als ein paar schöne Bilder. Man geht mit der Erinnerung daran, dass Fantasie manchmal nur einen kleinen Anstoß braucht, um den Alltag für einen Moment zu verändern.
Dieser Text wurde durch KI optimiert.



