Wie funktioniert Kreativität? Um diese Frage zu beantworten, habe ich Sylvia Ernst getroffen. Die Northeimerin unterstützt Unternehmen mit ihrer „BÜHNE DREI Mediendesign und Druck“ und liefert Antworten auf genau diese Frage. Doch der Weg dorthin ist gar nicht so einfach.

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Ideen und Überzeugung

Ohne einen Stift und einen Block geht sie niemals vor die Tür. Oder zumindest mit irgendetwas, um Notizen zu machen. Das war schon in ihrer Kindheit so, sagt sie. „Es war immer die größte Katastrophe, wenn der Zeichenblock kein Papier mehr hatte“, erinnert sie sich. Auch bei diesem Interview liegt alles in Griffnähe. Denn aus jeder Idee, sei sie noch so spontan, könnte etwas wundervolles werden.

Für Sylvia Ernst und ihre Agentur „BÜHNE DREI Mediendesign und Druck“ sind das Druckerzeugnisse, Grafiken, Zeichnungen, Logos, Farben, Schriften. Zweidimensionale Gesichter für mehrdimensionale Gedanken. Für Ideen und Überzeugungen, Leben, Unternehmen. Aber wie wird das eine zum anderen? Und wie kam Sylvia Ernst dazu? Beides ist ein langer Weg.

„Seit ich einen Stift halten konnte, war ich kreativ“, sagt sie. Als Kind mussten immer Stifte und Papier da sein. Schon damals war der heute 40-Jährigen klar, dass das auch immer so bleiben und es sie den Rest ihres Lebens begleiten wird. Dabei hat sie extra ein paar andere Sachen ausprobiert. Nach dem Fachabitur im Bereich Gestaltung folgt die Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien. Der Betrieb war eine Online- und Internetagentur. Das war zwar schon genau das Richtige, sagt Sylvia Ernst. Doch die Hoffnung und Erwartungen an diesen Beruf waren am Ende doch größer als das, was ihr die Ausbildung versprach. „Ich habe mich irgendwie nicht wohlgefühlt.“

Verstehen und Erleben

Wenn Sylvia Ernst heute einen Auftrag annimmt, dann will sie verstehen und erleben, was in ihren Kunden vorgeht. Indem sie herausfindet, was ihre Kunden an einem Montagmorgen motiviert, findet sie die nötige Inspiration für den eigenen kreativen Prozess. Ihr eigener Montagmorgen beginnt dabei ganz einfach, mit Emails und Kaffee. „Das ist doch der besondere Luxus und die Bürde der Selbständigkeit. Einen klischeehaften Montag gibt es nicht, denn manchmal arbeite ich auch sonntags an tollen Ideen“, winkt sie die Frage beinahe ab.

In der Ausbildung fehlte aber genau das: kommunizieren, um wirklich zu verstehen. Ernst, in jungen Jahren eher schüchtern, wollte genau das ablegen. Doch diese Weiterentwicklung gelingt nur mit dem Sprung ins kalte Wasser. „Mir fehlte der Dialog mit den Kunden. Gemeinsam kreativ zu werden. Das hatte mir damals nicht geholfen, um mich weiterzuentwickeln. Aber genau das wollte ich, das war mir wichtig.“

Also probierte sie noch einmal etwas ganz anderes aus, ging in eine Tierarztpraxis und schloss die Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten ab. „Das tat mir gut und mache mir sehr viel Freude“, erzählt sie. Doch in ihrer Brust schlugen zwei Herzen gleichzeitig. „Nach der Ausbildung führte ich trotzdem beide Berufe halbtags aus. Den einen vormittags, den anderem den Rest des Tages.“ Doch irgendwann musste eine Entscheidung her. „Die Abwechslung war natürlich gigantisch, aber es fiel mir immer schwerer, den Hebel umzulegen. Mittlerweile war die Druckerei Ernst ja auch meine Familie geworden. Also habe ich mich hierfür entschieden.“

Seit dem vergangenen Jahr gibt es die Druckerei Ernst nicht mehr. Schon seit 2018 war sie mit eigenen Gedanken selbständig und schaffte sich einen Ort für eigene Projekte, die auch mal neue Wege gehen durften. „Ich will mit meinen Kunden kommunizieren, gemeinsam mit ihnen Ideen entwickeln und umsetzen.“ Mit dem Ende der Druckerei folgt der endgültige Schritt ins eigene Unternehmen und die volle Selbständigkeit.

Ausgerecht im Corona-Jahr 2020 wächst „BÜHNE DREI Mediendesign und Druck“ mit neuen Geschäftsräumen und einem ersten Kollegen. Lebensgefährte Alexander Egert macht aus BÜHNE DREI ein Team. Außerdem übernimmt sie Maschinen der ehemaligen Druckerei, schafft neue an und erweitert das Angebot. „Ich habe da auch viel Zuspruch aus dem Freundeskreis und von Kollegen bekommen. Das war wichtig“, sagt Sylvia Ernst. „Es war mein großer Wunsch, auch wieder vermehrt gestalterisch zu arbeiten. Und das klappt jetzt wunderbar.“

Wie funktioniert Kreativität

Kommen wir also zur Anfangsfrage zurück, zur gemeinsame Suche nach einer Erklärung. Was ist Kreativität? Für Sylvia Ernst und ihre Kunden eine Art gemeinsame Reise, ein Prozess. „Oft wundern sich meine Kunden, wenn ich sie besuche und frage, ob ich sie bei der Arbeit mal begleiten kann. Aber nur so ist es möglich, genau zu verstehen, was sie ausmacht. Das fließt dann direkt in meine Arbeit ein.“ Erfassen und begreifen.

Sie nimmt uns mit zu einem ihrer Kunden, ein Optiker. „Nach dem Vorgespräch habe ich gesagt: Ich will das sehen, zeig mir das!“ Die Gespräche, die man dann führt, seien ganz andere als bei einem normalen Kundengespräch im Büro oder im Hinterzimmer. „Dann sehen ich oft, wie meine Kunden über ihr eigenes Unternehmen begeistert sind, wie das aufblüht und auflebt in ihnen.“

Sylvia Ernst ist eine gebürtige Höckelheimerin, „aber ich liebe und lebe Northeim.“ Rhume, Wieter, Theater der Nacht. Weite Felder, lange Radwege. Nirgendwo sonst sei es auf diese Art schön wie zu Hause. „Mein Herz schlägt für Northeim. Ich freue mich immer wieder, wenn ich schon das gelbe Northeim-Schild sehe.“ Dann ist sie zu Hause. Das ist zwar manchmal sehr beschaulich und nicht alles laufe rund, „aber ich habe auch die Hoffnung, hier noch viel bewegen zu können. Northeim hat noch nicht verloren, wir müssen nur den richtigen Zeitpunkt erwischen und dürfen ihn nicht verpassen.“ Und ja, hier findet sie auch diese besonderen Unternehmer, die für sie die Idealen Kunden sein können.

Netzwerken. Immer.

Es sind Einzelkämpfer, die gerade auf der Suche nach ihrer Identität sind. Unternehmen, die sich gern einen frischen Look verpassen möchten. „Mein Interesse an meinen Kunden ist ehrlich, und das kommt gut an. Am Ende des Tages freuen wir uns gemeinsam über das tolle Ergebnis.“ BÜHNE DREI Mediendesign und Druck ist schon jetzt gewachsen. Die Weichen sind gestellt, der Standort Northeim ist definiert und die neuen Maschinen schaffen eine Verbindung zu den Wurzeln ihrer Arbeit. „Wir sind jetzt eine Design-Agentur, die auch produziert“, sagt Ernst.

Ihr Netzwerk vergrößert sich ebenfalls. Seit 2016 verknüpft sie sich regelmäßig mit Unternehmern aus der Region. „Wir stärken uns gegenseitig, unterstützen und empfehlen uns bei unseren Kunden“, sagt sie über das BNI. Zudem treibt sie den Gedanken des Coworking voran und vernetzt sich mit kreativen Menschen vor Ort, wahlweise auch direkt in ihrem Büro. „Dieser Austausch ist enorm wichtig, um auch eigene Schatten überspringen zu können.“ Kreative Menschen tun kreative Dinge. Manchmal mutet es wie Magie an, wenn aus Ideen bunte Farben und Formen entstehen, die Herz und Seele direkt ansprechen. „Das ist das Herz meiner Arbeit. Das ist Kreativität. Wichtig ist aber: Sie ist niemals alleine.“

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