Tomas Sniadowski wird die Northeimer Stadthalle nicht übernehmen. Das sagte er den Kollegen von HNA.de. Der Musiker, Produzent und Eventmanager fühlte sich von Verwaltung und Stadthallen-Förder-Verein laut dem Bericht nicht ernst genommen. Ein schlüssiges Konzept zur Übernahme der Stadthalle aus öffentlicher Hand (und damit öffentlichem Interesse)  stellte er bisher nur im kleinen Kreis vor. Die Verhandlungspartner warteten – und stehen jetzt mit leeren Händen da.

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Es hätte so schön sein können. Tomas Sniadowski, Geschäftsführer der Eventagentur Citysoundz in Northeim, wollte die Northeimer Stadthalle als Privatunternehmer übernehmen. Die Stadt Northeim als aktueller Träger wäre damit fein raus: Die Kosten von mehreren 100.000 Euro im Jahr müssten nicht mehr durch den Steuerzahler übernommen werden. Sniadowski, mit Stimme gesegnet und weltgewandt, hätte internationale Musiker und Events nach Northeim geholt – so das Versprechen.

Wie das gelingen soll, die Antwort blieb bisher aus. Ob, die Frage ist geklärt: nein. Sniadowski habe keine Lust mehr zu warten, sagt er im Gespräch mit der Northeimer HNA. Zu lange müsse er auf die Verwaltung warten, zu viele Kritiker würden Fragen stellen, die ihm nicht passen – darunter offenbar süffisante Kommentare aus dem Northeimer Stadtrat. Auch der Förderverein sei nicht auf seiner Seite. Die Stadtverwaltung widerspricht dem ausdrücklich.

Schwierige Verhandlungen

Dass die Übernahme aus öffentliche in private Hand nicht einfach ist, das war Verwaltung und Sniadowski von Anfang an klar.

Ein Verein kümmert sich derzeit um das Programm in der Stadthalle Northeim. Allerdings nicht immer mit der Absicht, Geld zu verdienen. Für den Unternehmer Sniadowski ein No-Go. Der Verein bekommt Angst – und erzeugt Gegenwind. Auch die Stadtverwaltung lädt Sniadowski mehrmals, um sich vom Konzept überzuegen zu lassen. Der wiederum wartet vergeblich auf Feedback. Jetzt sei die Geduld am Ende – Sniadowski zieht das Angebot zurück.

Das ist zumindest seine Sicht der Dinge.

Zufall? Bürgermeister ist im Ausland

Die Stadt wiederum tut sich schwer mit einer Antwort. Auch, weil Bürgermeister Simon Hartmann gerade die Partnerstadt Tourlaville besucht. Das war angekündigt und planbar. Auch für die Berichterstattung.

Das jetzt alle auf Stadtverwaltung und Förderverein rumhacken, ist ebenfalls zu erwarten gewesen und nachvollziehbar.

Wie schwer es tatsächlich ist, den anderen Verhandlungspartner zu einer Stellungnahme zu bewegen, zeigt die Northeim-jetzt „Recherche“. Nach einer kurzen Anfrage folgte per Mail eine ausführliche Darstellung des Bürgermeisters zum Thema.

Das sagt der Bürgermeister

Aktuell in Tourlaville, zeigt sich Simon Hartmann überrascht. „Sowohl ich als Bürgermeister wie auch die Northeimer Ratspolitik und der Förderverein Stadthalle haben dem Vorhaben positiv gegenübergestanden und dies auch wiederholt betont.“ Er halte Sniadowski mit seiner Erfahrung und den „guten Kontakten in die künstlerische Szene“ für den idealen Betreiber der Stadthalle.

Dabei räumt der Verwaltungschef auch ein, dass die Kommunikation beider Seiten schwierig war. Während Sniadowski auf Feedback wartete, ging es laut Hartmann der Stadtverwaltung ähnlich. „Leider ist es auch zu kurzfristigen Terminabsagen und -verschiebungen von Gesprächen und Begehungen seitens des Interessenten gekommen. Auch die Kontaktaufnahme per Mail und per Telefon ist teils sehr schleppend verlaufen.“

Zuletzt habe Sniadowski Mitte August gegenüber der Stadtverwaltung sein Interesse betont und erneuert. „Nach mehrmonatigen Gesprächen und intensiven verwaltungsinternen Vorarbeiten ist dies keine schöne Situation für die Beteiligten“, so Hartmann.

Hoch motiviert

Diese Bestätigung hatte Sniadowski laut Hartmann an seinen allgemeinen Vertreter, Jörg Dodenhöft, gerichtet. Der hatte als damaliger Vakanzvertreter des Bürgermeisters (vor der Neuwahl) den Stein im Oktober 2017 erst ins Rollen gebracht. Damals wurde Stillschweigen vereinbart, ehe die HNA erstmals exklusiv mit Sniadowski sprach – mitten im Wahlkampf.

Später übernahm Simon Hartmann als neuer Bürgermeister die Verantwortung. Tomas Sniadowski präsentierte das grobe Konzept schließlich der Verwaltung und dem Verwaltungsausschuss. „Als Zielmarke für eine Übertragung des Stadthallenbetriebs habe ich den 01.01.2019 definiert, um verwaltungsintern und für die politischen Beratungen den erforderlichen Zeitkorridor aufzeigen zu können. Ich habe die Übertragung als sehr positiv eingeordnet“, sagt Hartmann.

Trotzdem seien laut Bürgermeister zu diesem Zeitpunkt noch viele Fragen offen gewesen: „Dies gilt beispielsweise auch für die Konditionen und Terminfenster für die zahlreichen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche und die zahlreichen nichtkommerziellen Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden.“

Schlichtweg: Es wurde verhandelt. „Wir haben als Stadt das getan, was zu tun war und was auch die Nutzer, die Gäste und die Beschäftigten der Halle erwarten: Gespräche mit Herrn Sniadowski vor dem [Verwaltungsausschuss] geführt, sowie mit dem Förderverein und dem Konzertring; Begehungen mit Handwerkern von Herrn Sniadowski und den Fachleuten des Hochbaus in der Halle durchgeführt, zudem haben wir Pläne der Halle zur Verfügung gestellt.“

Weit fortgeschritten

Laut Verwaltungschef waren die Verhandlungen und Prozesse inzwischen weit fortgeschritten. „Da mein allgemeiner Vertreter den ersten Kontakt mit Herrn Sniadowski hatte und da zwischenzeitlich weitere positive Signale zur Übernahme der Halle [durch Sniadowski] kamen, erhielt der zuständige Geschäftsbereichsleiter Herr Dodenhöft von mir im Juli schriftlich den Auftrag, eine Projektstruktur aufzubauen, die nötigen finanziellen, rechtlichen und zeitlichen Fragestellungen zu klären und die erforderliche begleitende Öffentlichkeitsarbeit zu konzipieren.“

Jetzt das Aus, die Absage durch Tomas Sniadowski.

Gegenüber HNA sagte er: „Der Gegenwind und die schlechte Stimmung, die mir aus Teilen der Politik und des Fördervereins der Stadthalle entgegengeschlagen sind, haben mich echt erschrocken“.

Dabei scheint es allerdings eher eine persönliche Entscheidung zu sein, so Sniadowski gegenüber der HNA: „Meine Frau hat mich gefragt, ob unsere Kinder in der Stadthalle groß werden sollen“. Schließlich sei er aktuell in ganz Deutschland unterwegs: Events, Filme, Musik.

Neue Gespräche

„Die Absage stellt uns vor neue Aufgaben, die sich in Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Politik mit dem Förderverein und dem Konzertring aber lösen lassen. Wir müssen nun sehen, ob sich das vom Förderverein angedachte Trägermodell reaktivieren lässt.“ Northeimes Bürgermeister Simon Hartmann zeigt sich optimistisch. „Schließlich beinhaltet ein Neuanfang auch Chancen.“

Politik und Verwaltung wollen sich nun wieder an einen Tisch setzen, betont Hartmann. „Es ist und bleibt natürlich mein Ziel, den Betrieb unserer Stadthalle, der zentralen Kultureinrichtung unserer Stadt, dauerhaft zu sichern.“

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