Das Fitness-Studio Realize im Northeimer Süden hat einen neuen Chef. Der Name an der Fassade bleibt aber derselbe: Rolf Emmermann geht in Rente, Sohn Dimo Emmermann übernimmt. Aber bevor es so weit ist, sprechen wir über drei Dinge: Eine Generation, die gut aussehen will. Eine Generation, der es gut gehen soll. Und eine Generation, die etwas Neues wagt.

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Vergangenheit und Zukunft

Als Rolf Emmermann Mitte der 1980er in Langenholtensen ein Fitness-Studio eröffnet, wollen alle aussehen wie Arnold Schwarzenegger. Die Bodybuilding-Welle kippt über den Ozean nach Europa. Damals ging es darum, möglichst große und definierte Muskeln zu haben. „Doch mir ging es vor allem darum, dass die Leute gesund trainieren“, sagt Rolf Emmermann. Während er aufpasste, dass sich die Northeimer Muskelberge nichts reißen, holte Ehefrau Sabine Aerobik nach Northeim – auch das war zu dieser Zeit ein Novum.

1992 wechselte der Betrieb nach Northeim an die Güterbahnhofstraße, 2004 folgte der letzte Umzug ins Medenheimer Zentrum. 2015 übernahm Rolf Emmermann Grundstück und Gebäude komplett und investierte erneut eine große Summe in die Zukunft.

In diesem Jahr wird Rolf Emmermann 68, ist körperlich nach wie vor topfit. Dass sein Sohn Dimo nun sein Lebenswerk übernimmt, ist für ihn auch eine Erleichterung. Seit Jahren hätte er eine Nachfolge gesucht – und nun gefunden. Dass es nun so kommt, war allerdings nicht von Anfang an klar. Zwar war Dimo der erste Auszubildender des Studios und studierte anschließend Fitness-Ökonomie. Der Sohn aber wollte dann doch lieber sein eigenes Ding durchziehen und gründete das Studio Rockfit, das heute auf der Katlenburg zu Hause ist.

Sport ist wie Medizin – schmeckt aber irgendwann bitter

„Mein Vater hat Pionierarbeit geleistet, den Leuten zu erklären, dass sie mit der Fitness etwas für die eigene Gesundheit tun“, sagt Dimo Emmermann. Ein Grundsatz, den er in seiner eigenen Arbeit immer wieder übernommen hat. „Statt zu Arzt zu gehen wegen jedem Wehwehchen, habe ich den Menschen erklärt, wie ihr Körper funktioniert und wie sie sich selbst behandeln können“, ergänzt Rolf Emmermann. „Da steht ein System hinter und das war mir sehr wichtig.“

Doch diese Medizin hat irgendwann angefangen, bitter zu schmecken. „Die Freude an der Bewegung ist bei vielen irgendwann flöten gegangen“, sagt Dimo Emmermann, „weil Sport plötzlich Medizin war.“ Mit seinem Ansatz von Rockfit wollte er genau diesen Spaßfaktor zurückbringen. Und genau das soll auch im Realize passieren. Vor allem soll es wieder ein Ort der Begegnung und der Bewegung werden, sagt Dimo. Passend zum ehemaligen Namen „Fitness und Freizeittreff“. „Aber das wäre etwas sehr Retro“, findet Dimo Emmermann.

Nur die Veränderung ist beständig

Auch in Zukunft wird es also beide Studios geben. Rockfit in Katlenburg und Realize in Northeim. Kunden beider Häuser profitieren schon jetzt von den zusammenwachsenden Strukturen, können zum Beispiel gegenseitig Kurse besuchen oder sparen sich den langen Umweg rund ums Harztor. In ihren Grundfesten bleiben beide Häuser aber verschieden. Dimos Ehefrau Sarah kümmert sich geschäftsführend um Rockfit, während er dauerhaft in den Ausbildungsbetrieb der Eltern zurückkehrt.

„Rockfit ist und bleibt meine Herzensangelegenheit. Das möchte ich niemals aufgeben“, sagt Dimo Emmermann. Dort oben auf der Katlenburg habe er sich mit der über Jahre gewachsenen Gemeinschaft ein kleines Paradies geschaffen. Auch deshalb werde er immer wieder als Trainer zurückkehren und Kurse übernehmen. „Bei Rockfit machen wir gemeinsam Sport und wer will, auch unter einem gewissen Leistungsaspekt.“ Im Realize wird es etwas lockerer zugehen, um so vielen Menschen wie möglich den Zugang zur gesunden Bewegung zu ermöglichen.

Ein Ende und zwei Anfänge

„Es hat auf beiden Seiten viel Zeit gebraucht um darüber klar zu werden, was man eigentlich möchte“, sagt Rolf Emmermann. Neue Trends in der Branche und der Umgang miteinander habe sich gewandelt, stellt er fest. „Das kann Dimo besser“, fügt Rolf Emmermann hinzu. „Aber es bleibt: Am Gast findet die Arbeit statt, das habe ich von meinem Vater gelernt“, sagt Dimo Emmermann.

Seinem Sohn lässt er nun freie Hand, die Studioleitung hat er gegen Hund und Hobby eingetauscht. „Ich glaube, das tut mir ganz gut“, sagt er – Ehefrau Sabine freuts. „Ich habe ein gutes Gefühl.“

Für Dimo beginnt die Arbeit jetzt erst. Was sich alles ändern wird – und was nicht – will er über die kommenden Wochen publik machen. Geplant sind neue Kurse und ein Angebot für Outdoor-Sport. Auch gemeinsame Veranstaltungen wie Fahrrad-Touren sollen mit ins Programm aufgenommen werden. „Ich will den Gästen neue Reize bieten und auf ihre Bedürfnisse reagieren“, sagt er. Dabei sollen sie sich aber immer wie zu Hause fühlen können.

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