Bei einer realitätsnahen Einsatzübung haben die Ehrenamtlichen des THW Northeim am Freitag trainiert, wie eine vermisste Person unter schwerem Atemschutz aus einer unklaren Gefahrenlage gerettet wird. Es ist nur eine Übung. Aber genau das soll man in diesem Moment möglichst vergessen.

In einer Scheune ist es eng, dunkel und unübersichtlich. Irgendwo im Gebäude wird eine Person vermisst. Was genau passiert ist, spielt für die Helferinnen und Helfer in diesem Moment nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist: Es könnte Gefahrstoff ausgetreten sein. Also geht niemand einfach hinein. Nicht mit Jacke, Helm und gutem Willen. Sondern unter schwerem Atemschutz. Dabei kennen diese Ausrüstung viele nur von der Feuerwehr.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Die Übungslage hatte Michael Freiherr Grote ausgearbeitet. Geleitet wurde sie von Zugführer Marcel Böker. Beide hatten sich offenbar nicht vorgenommen, den Abend allzu gemütlich werden zu lassen. Eine vermisste Person, eine unklare Lage, Gefahrstoffverdacht, schwerer Atemschutz, bergungstypische Aufgaben und dann auch noch ein Atemschutznotfall. Man kann sagen: Wer hier nur kurz „einmal durchspielen“ wollte, hatte den falschen Freitag erwischt.

Während sich das erste Team im Gebäude orientiert, liegt draußen eine besondere Spannung in der Luft. Atemschutzübungen haben ihren eigenen Rhythmus. Wenig ist laut, vieles ist konzentriert. Schritte auf unebenem Boden. Kurze Kommandos. Funkmeldungen. Das dumpfe Geräusch der Atemluft, die durch die Ausrüstung strömt. Wer unter Atemschutz arbeitet, trägt nicht nur ein Gerät auf dem Rücken. Er trägt auch Verantwortung. Für sich selbst, für das Team und für den Menschen, der irgendwo Hilfe braucht.

Dann kommt die Meldung: „Mayday.“

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Ein Wort, das in einer Übung geplant sein kann und trotzdem sofort etwas verändert. Ein Helfer hat sich „verletzt“. Er kann sich nicht mehr bewegen. Die Atemluft wird knapp.

Das ist der Moment, für den man vorher übt, damit später niemand erst nachdenken muss, was zu tun ist. Das Sicherungsteam rückt vor. Aus der angenommenen Suche wird ein Rettungseinsatz für den eigenen Kameraden. Das klingt dramatisch – und ist es auch. Selbst dann, wenn alle Beteiligten wissen, dass der Notfall simuliert ist.

Denn wer einmal versucht hat, einen Menschen mit Ausrüstung aus einem Gebäude zu retten, weiß: Das hat mit den sauberen Vorstellungen aus Lehrbüchern nur begrenzt zu tun. Da ist Gewicht. Da ist Enge. Da sind Kanten, Treppen, Winkel, schlechte Sicht und der ständige Blick auf die eigene Sicherheit. Hilfe leisten heißt hier nicht, heldenhaft loszurennen. Hilfe leisten heißt, ruhig zu bleiben, sauber zu arbeiten und gemeinsam zu handeln.

Die Retter versorgen den „verletzten“ Kameraden mit Erster Hilfe. Sie sichern seine Atemluftversorgung. Der Lungenautomat wird an das Gerät eines anderen Helfers angeschlossen. Das klingt technisch. Tatsächlich ist es ein lebenswichtiger Vorgang. Luft ist in diesem Szenario keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie ist Zeit. Und Zeit ist im Einsatz oft das, was am schnellsten verschwindet.

Mit vereinten Kräften bringen die Helfer den Kameraden in einen Schleifkorb. Dann kommt der Leiterhebel zum Einsatz. Stück für Stück wird der Verletzte aus dem Gebäude geschafft. Keine große Geste. Kein Filmheldenmoment. Eher dieses stille, schwere Arbeiten, bei dem jeder weiß, dass der andere jetzt funktionieren muss.

Und genau darin liegt der Kern dieser Übung.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Das THW Northeim trainiert an diesem Abend nicht nur Technik. Es trainiert Vertrauen. Vertrauen in Ausrüstung, in Abläufe, in Kommandos und in die Menschen, die neben einem stehen. Wer unter Atemschutz in ein Gebäude geht, muss sich darauf verlassen können, dass draußen jemand mitdenkt. Und wer draußen wartet, muss bereit sein, im entscheidenden Moment hineinzugehen.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem man als Außenstehender kurz innehält. Wir sprechen oft leicht über Ehrenamt, über Einsatzkräfte, über „die vom THW“, „die Feuerwehr“, „die Retter“. Manchmal klingt das, als wären das feste Einrichtungen wie Straßenschilder oder Ampeln. Sie sind eben da. Im Zweifel kommen sie.

Aber hinter diesem „sie kommen“ stehen Menschen, die freitagabends in eine Scheune gehen, um für einen Ernstfall zu üben, den sich niemand wünscht. Menschen, die lernen, wie man andere rettet, ohne sich selbst zu gefährden. Menschen, die akzeptieren, dass Routine nicht langweilig ist, sondern überlebenswichtig.

Das Happy End gehört an diesem Abend zur Übung: Der Kamerad wird gerettet. Die Lage wird bewältigt. Der komplexe Einsatz bleibt simuliert.

Zum Glück.

Wie selbstverständlich nehmen wir eigentlich Menschen, die genau dafür ihre Freizeit einsetzen? An diesem Freitagabend in Northeim war es nur eine Übung. Aber eine, die zeigt, wie ernst Vorbereitung sein muss, damit im Ernstfall Hilfe nicht zufällig gelingt.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein