Fridays for Future: Deshalb gehen 150 Schüler in Northeim auf die Straße

Rund 150 Schüler sind am Freitag in Northeim auf die Straße gegangen. Unter dem Motto „Fridays for Future“ protestieren sie für eine nachhaltige Klimapolitik. Die Aktion ist bundesweit bereits bekannt und fand zum ersten Mal auch in Northeim statt.

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Die Sonne brennt schon morgens um 9 Uhr grell vom Himmel. Ideales Wetter also, um auf die Straße zu gehen und für den Klimaschutz zu protestieren. Während an diesem Freitag eine offizielle Veranstaltung der Thomas-Mann-Schule auf dem Münsterplatz stattfindet, ist „Fridays for Future“ auch ein Kampf gegen das Establishment. Für den Protest wird der Schulunterricht von den Schülern eigenmächtig ausgesetzt. Deshalb hagelte es schon vorab Kritik.

Für Northeim

Gemacht haben sie es trotzdem. 150 Teilnehmer zählt die Polizei und spricht von einer friedlichen und gut organisierten Veranstaltung. Hinter der Demo selbst steckt ein Team junger Schüler aus Northeim, vorneweg Hanna Zoike. Die 17-Jährige ist vor dem Start mindestens so aufgeregt wie entschlossen. Überzeugt davon, dass die aktuelle Klimapolitik keine Besserung bringt. Davon, das noch zu wenigen Menschen das Ausmaß des Klimawandels bewusst ist. Und das schon die nächste Generation zu spüren bekommt, was im Moment noch erzählt wird. Außerdem trägt heute die Verantwortung, ist es doch ihr Name auf dem Anmeldebogen. Unterschreiben musste dann doch ihre Mutter. Die hat zum Glück Urlaub, schaut sich das Spektakel an – und ist ziemlich Stolz auf ihre Tochter. Das die aber gerade die Schule schwänzt, „gehört zum Protest dazu“.

Der Aufruf zur Demo ist auch ein Test und ein Gradmesser für Northeim. Lassen sich die jungen Menschen hier begeistern? Interessieren sie sich für die Umwelt, für die Zukunft – ihre Zukunft? Dabei ist Northeim doch fürs Nörgeln bekannt. Aber macht es die Jugend „besser“? Am Ende trägt die Stimmung die jungen Aktivisten durch die Straßen und euphorisch zum Marktplatz. Auf die Frage, wie es war, wird Hanna deutlich antworten: „Geil. Geil.“ Aber der Reihe nach.

Für die Welt

Tatsächlich ist „Fridays for Futur“ ein weltweites Ereignis. Fast 1,8 Millionen Menschen sollen am 15. März auf den Straßen gewesen sein. Allein in Deutschland sind diesmal, am 24. Mai, in 270 Städten Schüler für ihre Zukunft auf die Straßen gegangen. Vorher hatte die Schwedin Greta Thunberg mit ihrem stillen Protest und einem Schulstreik andere Jugendliche weltweit inspiriert. Das Schema ist dabei immer gleich: Freitags während der Schulzeit, laut und mit selbstgemachten Plakaten auf die Straße. Natürlich sind die Demonstrationen ordnungsgemäß angemeldet und abgesichert. Auch in Northeim.

So lief die Demo in Northeim

Vor dem Start gab es von Polizei und Ordnungsamt eine Einweisung. Die Strecke wurde genau besprochen und auch, welcher Teil der Straße gesperrt ist. Kurz vor dem Start gibt es dann eine kurze Rede von Hanna. Warum sind sie heute eigentlich hier und was wollen sie bewirken? Das ältere Generationen ihnen bloßes Schuleschwänzen vorwerfen, das nehmen die jungen Menschen schon gar nicht mehr wahr. Denn was sie wollen, ist ernst genommen zu werden. Für ihre Zukunft und ihre Sache.

„Wir sind hier, um für unsere Hoffnungen, Überzeugungen und Träume zu kämpfen. Denn all dies kann nicht verwirklicht werden ohne einen funktionieren Planeten“, erinnert Hanna ihre Mitschüler. Kritik übt sie dabei vor allem an die Elterngeneration. Die habe schließlich Besserung von 2010 bis 2020 versprochen. Die blieb allerdings aus. „Wir sind an dem Punkt angekommen, Deutschland daran zu erinnern, das es nicht mehr die Zeit der langsamen Veränderung ist.“

Und wieder mahnt sie ihre Mitschüler: „Wir müssen eines bedenken. Auch wenn wir im Recht sind, dürfen wir uns keine Schuld aufladen. Wir dürfen uns nicht in Hass und Bitterkeit, in Gewalt betätigen“. Denn auch die Kritiker sitzen im selben Boot. Und das gehen gerade unter.

So machten es andere in Northeim

Während die Demo am Mühlenanger startete und final am Marktplatz einkehrte, waren alle Schüler der Thomas Mann Schule aus Northeim am Münsterplatz versammelt. In der Woche vor dem „Friday for Future“ haben die Klassen gemeinsam verschiedene Themen rund um den Umweltschutz betrachtet und ihre Ergebnisse im Freien vorgestellt. Dank dieses offiziellen Anstrichs kamen hier auch Northeims Politiker zu Besuch: Bürgermeister Simon Hartmann, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und der Bundestagsabgeordnete Roy Kühne ließen sich an den Ergebnistafeln die Schülerprojekte präsentieren. Das nebenan und bundesweit am selben Tag auch der „Fridays for Futur“ für Aufmerksamkeit sorgte, nahm man laut dem stellvertretenden Schulleiter Oliver Brunotte gerne an. Denn protestieren oder demonstrieren dürfen Schulen und ihre Schüler nicht.

So geht es jetzt weiter

Zum Finale der langen Demo durch Northeim, entlang der Schulen und der Innenstadt, gab es am Marktplatz eine kurze Kundgebung zum Abschluss. Schon dort machten die Veranstalter klar, wie groß die Motivation ist, auch in zwei Wochen wieder auf die Straße zu gehen. Dann mit noch mehr Schülern von noch mehr Schulen, hoffen die jungen Menschen. Und das die sie weit bringt, hat an diesem Freitag jeder gesehen.

Das Orga-Team hinter der Northeimer Demo mit Hanna Zoike (rechts mit Megafon)

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