Die Ortsfeuerwehr Edesheim hat beim Landesentscheid der niedersächsischen Feuerwehren den neunten Platz erreicht und mit einem fehlerfreien Durchlauf die Leistungsspange in Gold gewonnen. Wie viel dieser Erfolg für die Ortschaft bedeutet, zeigte sich allerdings erst einige Stunden später vor dem Feuerwehrhaus in Edesheim.

Wenn ein Dorf Spalier steht

Die Feuerwehrfahrzeuge stehen in einer Reihe, sauber aufgestellt zu einem Spalier, und vor dem Feuerwehrhaus in Edesheim warten Menschen, die an diesem Sonntag, 6. September, noch einen gemeinsamen Termin haben, von dem die Hauptpersonen zunächst nichts wissen. Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden aus benachbarten Ortsfeuerwehren sind gekommen, Menschen aus der Dorfgemeinschaft stehen bereit. Sie warten auf die Gruppe aus Edesheim, die gerade vom Landesentscheid in Bodenwerder zurückkehrt.

Man kann einen neunten Platz nüchtern auf eine Ergebnisliste schreiben. Man kann daneben vermerken, dass insgesamt 40 der besten Feuerwehrgruppen aus Niedersachsen angetreten sind. Man kann hinzufügen, dass Edesheim einen fehlerfreien Durchlauf geschafft und damit die Leistungsspange in Gold erreicht hat. Alles korrekt.

Und dann steht da ein Dorf vor dem Feuerwehrhaus. Plötzlich bekommt diese Zahl ein anderes Gewicht.

Aus der Heimkehr wird eine kleine Willkommensfeier. Die Fahrzeuge bilden den Rahmen, die Menschen den eigentlichen Empfang. Freude ist zu sehen, Stolz ebenfalls. Gerade Letzterer lässt sich bei Feuerwehren häufig nur schwer in große Worte verpacken. Dort wird eher angepackt, geübt, aufgebaut, abgebaut und am Ende noch einmal kontrolliert, ob wirklich alles dort liegt, wo es hingehört. An diesem Abend darf der Stolz trotzdem einmal ziemlich deutlich ausfallen. Denn die Menschen, die durch dieses Spalier zurückkehren, haben Edesheim und die gesamte Stadt Northeim auf Landesebene vertreten.

Der lange Weg nach Bodenwerder

Ein Landesentscheid beginnt nicht an dem Sonntag, an dem morgens die Fahrzeuge Richtung Wettkampfort fahren. Der Weg dorthin beginnt erheblich früher. Wer beim Landesentscheid der niedersächsischen Feuerwehren antreten darf, muss sich zunächst über die Leistungsvergleiche auf den vorgelagerten Ebenen qualifizieren. Die Gruppen arbeiten sich damit Schritt für Schritt nach oben. Am Ende stehen Mannschaften auf dem Platz, die bereits bewiesen haben, dass sie ihren Feuerwehrdienst beherrschen.

In Bodenwerder werden Fähigkeiten geprüft, die eng mit dem tatsächlichen Feuerwehralltag verbunden sind. Dazu gehören der Löschangriff, Atemschutz, Digitalfunk und der sichere Umgang mit Feuerwehrfahrzeugen. Es geht um Abläufe, Kommunikation und Präzision. Jeder Handgriff muss sitzen, weil Feuerwehrarbeit genau davon lebt.

Ein fehlerfreier Durchlauf klingt im Rückblick angenehm knapp. Zwei Wörter reichen aus. Hinter ihnen stehen Übungen, Wiederholungen und jene Momente, in denen ein Ablauf noch einmal von vorne begonnen wird, weil eine Kleinigkeit nicht stimmt. Wobei das Wort Kleinigkeit bei einem Feuerwehrleistungsvergleich ohnehin mit einer gewissen Vorsicht zu verwenden ist. Gold entsteht hier nicht durch einen glücklichen Augenblick. Es wächst aus Routine, Konzentration und einer Gruppe, die gelernt hat, sich aufeinander zu verlassen.

Für Edesheim traten Marlen Hümme, Samira Junker, Nadine Berth, Jonas Gareiß, Robin Gräbe, Lucya Schade und Leon Zeipel beim Landesentscheid an. Sie erreichten unter 40 Gruppen den neunten Platz. Dazu kam die Leistungsspange in Gold für den fehlerfreien Durchlauf. Das ist eine Leistung, auf die eine Ortsfeuerwehr stolz sein kann. In Edesheim beschränkt sich dieser Stolz erkennbar nicht auf die Feuerwehr selbst.

Eine junge Gruppe für eine ganze Stadt

Stadtbrandmeister Nils Franke und Bürgermeister Simon Hartmann hatten den Wettbewerb zuvor in Bodenwerder verfolgt. Beim Empfang in Edesheim würdigten beide die Leistung der Mannschaft und hoben einen Punkt besonders hervor: Es war eine junge Gruppe, die dort für Northeim angetreten war.  Das macht diesen neunten Platz interessant über die Ergebnisliste hinaus.

Freiwillige Feuerwehren leben davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und dass andere nachkommen, wenn erfahrene Kräfte irgendwann kürzertreten. Nachwuchs ist deshalb kein Thema für einen fernen Zeitpunkt. Er entscheidet darüber, wie gut eine Feuerwehr in einigen Jahren aufgestellt sein wird. Wenn eine junge Mannschaft sich bis zu einem Landesentscheid qualifiziert und dort einen neunten Platz erreicht, zeigt sie, was bereits vorhanden ist.

Hartmann formulierte es beim Empfang deutlich. Die Edesheimer Gruppe habe die Stadtfeuerwehr Northeim als Ganzes „hervorragend vertreten“.

Das meint mehr als sieben Menschen bei einem Wettbewerb. Hinter einer solchen Gruppe stehen Ausbilderinnen und Ausbilder, Kameradinnen und Kameraden, Familien, Freunde und eine Feuerwehr, in der Zeit für Ausbildung zur Verfügung gestellt wird. Und hinter dieser Feuerwehr steht eine Ortschaft, die ihre Einsatzkräfte nicht erst wahrnimmt, wenn nachts irgendwo Blaulicht durch die Straße fällt.

Wie wichtig ist eine Feuerwehr eigentlich für ein Dorf? Die Antwort lässt sich in Dienstplänen, Einsatzzahlen und Ausbildungsstunden suchen. An diesem Sonntagabend in Edesheim steht sie auch vor dem Feuerwehrhaus.

Der Stolz gehört nicht nur den Sieben

Der Empfang war spontan vorbereitet worden. Gerade das macht ihn bemerkenswert. Menschen aus der Dorfgemeinschaft kamen zusammen. Benachbarte Ortsfeuerwehren beteiligten sich. Feuerwehrfahrzeuge wurden zum Spalier aufgestellt. Aus einer Rückkehr wurde ein Ereignis, weil andere entschieden hatten, dass diese Leistung nicht still im Gerätehaus verschwinden sollte.

Gerade kleinere Ortschaften besitzen eine besondere Nähe zu ihren freiwilligen Strukturen. Feuerwehr, Vereine und andere ehrenamtliche Gruppen sind dort keine abstrakten Einrichtungen. Man kennt die Menschen dahinter. Man weiß, wer am Wochenende zur Ausbildung fährt und wer bei einem Einsatz plötzlich vom Familienfest verschwindet. Man begegnet sich wieder beim nächsten Dorftermin, beim Feuerwehrhaus oder irgendwo auf der Straße.

Deshalb gehört dieser Erfolg zuerst der Gruppe. Er gehört zugleich zu einer Ortsfeuerwehr, die diese Mannschaft hervorgebracht hat. Und er wird zu einem Stück gemeinsamer Dorfgeschichte, weil Menschen beschlossen haben, ihn gemeinsam zu feiern.

Der neunte Platz bleibt dabei der neunte Platz. Gerade darin liegt etwas angenehm Bodenständiges. Niemand muss aus ihm einen Landesmeistertitel machen, damit er groß wirkt. Unter 40 qualifizierten Gruppen aus Niedersachsen auf Rang neun zu kommen und einen fehlerfreien Durchlauf mit Gold abzuschließen, trägt genügend Bedeutung in sich.

Was ein Spalier erzählen kann

Feuerwehrfahrzeuge werden gewöhnlich für andere Dinge gebraucht. Sie bringen Menschen und Technik zum Einsatzort, transportieren Material und stehen bereit, wenn Hilfe benötigt wird. In Edesheim bildeten sie an diesem Sonntag für einige Minuten einen Weg.

Am Anfang dieses Weges standen sieben Menschen, die aus Bodenwerder zurückkehrten. Am anderen Ende standen ihre Feuerwehr, benachbarte Wehren und die Dorfgemeinschaft. Dazwischen lagen Wochen und Monate der Vorbereitung, die Qualifikation für den Landesentscheid, ein Wettkampftag gegen 39 andere Gruppen, ein fehlerfreier Durchlauf, Gold und Platz neun. Stadtbrandmeister und Bürgermeister würdigten anschließend die Leistung. Die Menschen vor dem Feuerwehrhaus hatten ihre eigene Form dafür bereits gefunden.

Sie waren gekommen. Und am Ende erzählt dieses Spalier deshalb genauso viel über Edesheim wie über den Landesentscheid in Bodenwerder: Eine junge Feuerwehrgruppe hat auf Landesebene gezeigt, was sie kann. Ihre Ortsfeuerwehr ist stolz auf sie. Die Stadtfeuerwehr ist stolz auf sie. Und zuhause stand eine Dorfgemeinschaft bereit, die offenbar ziemlich genau verstanden hatte, was diese sieben für ihren Ort erreicht hatten.

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