Die Skater in Northeim wollen ihre Anlage zurück

Die Skater-Anlage am Mühlenanger wurde über Jahre sich selbst und ihren Nutzern überlassen. Seit September hat die Stadt Bauzäune aufgestellt und die Anlage gesperrt. Grund: Schäden, Defekte, Gefahr. Die Chancen stehen „gut“, dass sie aus dem Winterschlaf niemals erwacht.

Foto: Jan Christian Zimara

Winterschlaf

Zuvor hat das Ingenieurbüro Stadt + Natur die Anlage überprüft und eine „derartige Vielzahl von Schäden aufgezeigt […], dass nach Angaben der zuständigen Fachabteilung eine gefahrenfreie Nutzung der Anlage nicht mehr zu gewährleisten war“, heißt es von der Stadt Northeim.

Zuletzt machte sich die Politik in Form des Ausschusses für Jugend und Freizeit für die Suche eines neuen Standortes stark. Dabei ist der Jetzige gar nicht schlecht, findet Timo Günther. Er ist selbst seit mehr als 20 Jahren Skater, kennt die Northeimer Zeiten ohne Anlage noch sehr gut. Wir haben ihn getroffen um zu erfahren, was sich jetzt ändern muss.

Timo Günther will dir Skater-Szene in Northeim am Leben halten

Wir machen uns gemeinsam vor Ort ein Bild. Dass die Stadt im Winter keine Reparaturen anstrebt, ist logisch. Dass sie es bisher aber nie getan hat, ist ein Vorwurf, der genauso glaubhaft erscheint. Die Schäden an den Metallkonstruktionen sind der regelmäßigen Nutzung geschuldet. Soweit hätte es aber gar nicht kommen müssen, findet Günther.

Auch er ist leidenschaftlicher Skater und kennt die Zeit ohne Anlage. Als noch öffentliche Plätze genutzt wurden, um den nächsten schwierigen Trick zu üben. Dass das Anwohner störte und zu Polizeieinsätzen wegen Ruhestörung führte, wunderte ihn schon damals nicht. Mit der Anlage am Mühlenanger hat die Stadt einen Rückzugsort und zugleich eine Keimzelle für die Jugendszene geschaffen. Die Idee: aus ihr sollte sich eine Kultur in Northeim entwickeln, die die Kunst des Skaten bündelt und aktiv die Jugendarbeit unterstützt. Frei nach dem Motto „holt die Skater von der Straße“.

Schützende Szene

Über Jahre haben diese die Anlage genutzt. Allerdings nicht frei von schwarzen Schafen, weiß auch Günther. Vandalismus, Müll, Zerstörung – das gab es. Aber auch die andere Seite: Jugendliche, die sich für die Anlage einsetzten. „Ich bin selbst fast jedes Mal mit einem Besen angerückt“, sagt der Northeimer. Die Skater und ihre Szene hat auf sich selbst aufgepasst – und auf die Anlage. War es doch der einzige Ort, um ihrer Leidenschaft und ihrem Sport ungestört nachzugehen. Nach der Sperrung im September fehlt dieser Ort.

Immerhin: Die Politik weiß um diesen Status. Der Ausschuss für Jugend, Sport und Soziales empfahl im November, entsprechende Investitionen für eine neue Anlage zu planen. Damit gehen die Ausschussmitglieder sogar so weit und stellen den aktuellen Standort komplett in Frage. Demnach seinen nicht nur die Anlagen beschädigt, sondern auch der Untergrund.

Günther zeigt die Stellen. Metallschienen sind verrostet, Schrauben treten hervor. Und durch thermische Verformung des Metalls haben sich über die Jahre auch die Asphaltdecken verschoben.

Eigentlich hatte die Stadtverwaltung im selben Atemzug der Schließung auch eine rasche Lösung angekündigt. Die fehlt bisher immer noch – deshalb fordert jetzt die Politik die Stadt zum Handeln auf. Klar sei aber: die Skater sollen in die Planung mit einbezogen werden.

Klare Vorschläge

Und hier kommt Timo Günter ins Spiel. Mit einem Brief hat er sich bereits an die Stadt gewandt und seine Unterstützung zugesagt. Mit dabei: Konkrete Vorschläge für den Bau einer Anlage, die allen Ansprüchen gerecht werde.

Er Empfiehlt dabei, die neue Anlage, statt aus Metall, komplett aus Beton zu bauen. „Damit bleiben die Schäden durch Nutzung und Witterung gering“, sagt er.

Außerdem empfiehlt er für die Nutzung im Herbst eine Lichtanlage. Auch bei der Planung von einzelnen Hindernissen, die für die Umsetzung ihrer Tricks notwendig sind, will Günther die Planung unterstützen.

Sein Ziel: Sponsoren wie Unternehmen und Vereine können sich an dieser Form der Jugendarbeit beteiligen oder selbst Events auf dem Gelände veranstalten. So könnte eine junge Zielgruppe erreicht werden, die mit viel Leidenschaft hinter ihrem Sport steht. „Das ist Sport und Kunst, unvergleichbar“, schwärmt Günther.

Und klar ist auch: 2020 ist der Skatesport olympisch.

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