#Angedacht: Ostern heißt: Das Leben siegt

Dir Kolumne von Pastor Jens Gillner, Corvinus.

Sabrina und Ralf

Sabrina und Ralf sind jetzt ein Paar. Keiner von beiden hätte das für möglich gehalten. Sie kennen sich schon lange, haben mal zu Schulzeiten zusammen gejobbt und kommen beide aus Northeim und Umgebung. Nach der Schule sind sie jeweils ganz eigene Wege gegangen: Ausbildung, Studium, Heirat, Kinder. Sabrina zog es mit ihrer Familie immer weiter in den Süden Deutschlands, Ralf mit Frau und Sohn immer mehr in den Norden. Sie verloren sich aus den Augen. Sabrina ließ sich scheiden – vor Jahren schon.

Ralf wurde im Januar letzten Jahres geschieden. Durch Facebook haben die beiden wieder Kontakt zueinander gefunden – nach 21 Jahren. Ralf wohnt nach seiner Trennung mittlerweile wieder in Northeim, Sabrina in Hamburg. Als er 2016 von dort wegging, zog sie dahin. Gottes Wege sind unergründlich …

Im Dezember 2018 haben sie sich dann persönlich getroffen. Es sollte ein ganz harmloses Kaffeetrinken werden: Über alte Zeiten plaudern, einander erzählen, wie es einem bisher ergangen ist … Doch an diesem Tag hat es irgendwie zwischen den beiden gefunkt. Der WhatsApp-Chat zwischen Northeim und Hamburg war seitdem endlos, bis sich Sabrina und Ralf Ende Januar gegenseitig einstanden, dass sie sich ineinander verliebt haben. Keiner von beiden hätte das für möglich gehalten. Nach allem, was sie nach ihrer Trennung von den jeweiligen Ehepartnern durchgemacht haben, winkt nun ein verheißungsvoller Neuanfang. Ja, es sei zur Zeit eine Fernbeziehung. Das erschwere die Sache ein wenig, aber sei kein grundsätzliches Hindernis, meint Ralf. Sabrina und Ralf sind froh, dass sie sich wieder gefunden haben und nun – nach so langer Zeit – in eine gemeinsame Zukunft starten.

Ein Hauch von Ostern

Für mich spiegelt sich in dieser Geschichte das Thema von Ostern wieder: Fest der Auferstehung Jesu von den Toten. Und darüber hinaus: Aufbruch der Natur; Dunkelheit, die dem Licht weichen muss; Leben, das aus seinem langen Winterschlaf erwacht. Es gibt viele Bilder und Beispiele, die versuchen, das Osterwunder begreifbar zu machen. Sie alle laufen aber auf das Gleiche hinaus: Das Leben siegt! Nichts bleibt so, wie es war. Was uns einst widerfahren ist, muss nicht unser ganzes restliches Leben bestimmen. Wir dürfen auf Veränderung hoffen, so wie sich die Situation für Sabrina und Ralf wie durch ein Wunder verändert hat. Aus dem Zweifel, ob sie jemals wieder jemanden kennen lernen würden, dem sie ihr Vertrauen und ihre Liebe schenken könnten, ist Gewissheit geworden.

Ist das Glück? Ist es Schicksal oder einfach nur Zufall? Über solche Fragen müssen sie lächeln und Sabrina antwortet, es müsse von „höherer Stelle“ verfügt sein. Nichts geschehe einfach zufällig. Und Ralf ergänzt: Vielleicht seien die Umwege und die Erfahrungen in der langen Zeit dazwischen nötig gewesen, um wirklich für das bereit zu sein, was nun vor ihnen liege.

Nichts bleibt so, wie es war

Ob sie wollten oder nicht, haben Sabrina und Ralf einiges über ihren Glauben preisgegeben. Hier hat einer seine Hand im Spiel, dessen Möglichkeiten niemand wirklich ermessen kann. Unabhängig davon, wie man sich historisch zur Auferstehung Jesu stellen mag, ist sie doch auf einer anderen Ebene ganz unverkennbar ein Sinnbild dafür, dass bei Gott alle Dinge möglich sind. Selbst aus dem Totenreich – in biblischer Sicht Ort der größten Gottesferne –  kann er uns wieder herausholen, um uns ein neues Leben in seinem Reich zu schenken.

Das Leben siegt! Nichts bleibt so, wie es war – im Negativen, aber vielmehr auch im Positiven. Mit dieser Botschaft bin ich bisher an unzählige Gräber herangetreten. Ja, der Tod ist für uns eine endgültige Trennung, aber er behält nicht das letzte Wort. Gott schenkt das Leben neu – den Trauernden und Verzweifelten hier ebenso wie den Verstorbenen dort.
Beweisen kann ich das freilich nicht, aber glauben und darauf vertrauen, dass es so ist, das kann ich. Und bei dem, was mir so alles im Leben passieren kann, bleibt mir auch nur ein solcher Glaube. Die Ostergeschichte(n) der Bibel und zahlreiche andere Geschichten, die ich im Alltag erfahren darf, bestärken mich darin. Die Geschichte von Sabrina und Ralf ist eine davon.

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