Mein Liebingsplatz zieht um, von der Innenstadt auf die grüne Wiese unterhalb der Helios-Klinik. Gemeinsam mit WMT-Wirtschaftsförderin Hanna May und WMT-Geschäftsführer Michel Eilers-Turau besuchen wir Inhaber Holm Fröchtenicht auf der Baustelle. Dabei sprechen wir über Vorfreude, Stress – und ein Lebensgefühl, dass es so nur in Northeim gibt. In zwei Wochen ist Eröffnung.
Der Staub liegt noch in der Luft, als Holm Fröchtenicht kurz innehält. Ein Schritt zur Seite, um einem Handwerker Platz zu machen. „Vorsicht, noch nass“, ruft jemand aus dem Hintergrund. Auf dem Boden zieht sich eine frische Spur Putz durch den Raum. Es riecht nach Farbe, Holz und ein wenig nach Aufbruch. Es ist ein Tag vor dem Umzug. Zwei Wochen vor der Eröffnung. Und dieses Café ist im Moment vor allem eins: eine Baustelle.
Fröchtenicht steht mitten drin, zwischen Kartons, Werkzeug und halbfertigen Wänden. Er schaut sich um, als würde er versuchen, das fertige Bild schon jetzt zu sehen. „Dort kommt später ein Tresen hin, hier stehen wir in der Konditorei“, sagt er und zeigt auf eine Stelle, an der gerade noch Kabel aus der Wand ragen.
Noch wirkt alles provisorisch, vieles wie eine Idee. Und doch ist da etwas, das sich nicht übersehen lässt: Vorfreude.
Wer Holm und Vanessa Fröchtenicht schon einmal begegnet ist, weiß, dass „Mein Lieblingsplatz“ nie einfach nur ein Café war. Als sie 2020 in der Northeimer Innenstadt eröffneten, mitten in der Unsicherheit der Corona-Zeit, war das mehr als ein Geschäftsmodell. Es war eine Haltung und ein Lebensgefühl. Selbstgemachte Kuchen, besondere Stullen, ein eigener Stil. Kein Kompromiss, sondern ein Statement. Gäste, Kunden und Fans bestätigen die Idee. Mit Events lockern sie das Angebot auf, immer auf der Suche nach neuen Ideen und Inspiration. Damit wächst auch das, was die Fröchtenichts selbst unter „Mein Lieblingsplatz verstehen“, nicht nur in ihren Köpfen, sondern auch auf einem Blatt Papier, einem Bild und schließlich einem Bauantrag.
Jetzt, sechs Jahre später, geht diese Geschichte weiter. Dabei ist der Umzug nicht als Erweiterung im klassischen Sinne zu verstehen. Eher wie ein nächstes Kapitel, eine Entwicklung, meint Holm Fröchtenicht. „Das ist bei uns gewachsen und hat sich entwickelt. Wir haben gesehen, was funktioniert und was nicht. Wir haben gesehen, was andere machen und was nicht“, sagt er. „Das bedeutet für uns auch, dass wir räumlich wachsen wollen und müssen. Dann kam das Angebot, hier als Mieter neu zu bauen und alles nach unseren Vorstellungen zu planen.“
Am neuen Standort, auf der Grünen Wiese unterhalb der Helios-Klinik am Sultmer Berg, wächst das Café sichtbar. Größer, offener, klarer im Konzept. Viel Glas, Licht und Fläche. Rund 600.000 Euro wird investiert. Kein kleines Risiko. Aber eines, das bewusst eingegangen wird. „Es gab verschiedene Pläne zu wachsen. Wir sind davon überzeugt, dass diese Entscheidung richtig war, um unser Konzept weiterzuentwickeln und in Northeim zu bleiben“, sagt Holm.
Was nun entsteht, ist näher an der ursprünglichen Idee als je zuvor. Eine Konditorin verstärkt das Team, der Fokus auf eigene Kuchen und Torten wird geschärft. Die Stullen, längst so etwas wie das Markenzeichen, bleiben zentral. Hochwertiges Brot, ungewöhnliche Kombinationen, sorgfältig angerichtet. Dazu der freie Blick auf den Northeimer See und die direkte Anbindung an Bundesstraße und Autobahn und für Spaziergänger über den Sultmer Wald.
Was bleibt, ist die Offenheit der Arbeit. Küche und Konditorei sind von Glas umgeben. Wer hier sitzt, sieht , wie Teig geknetet, Creme aufgetragen und Brot belegt wird. Das Handwerk wird sichtbar. Fast wie eine kleine Bühne, auf der der Alltag spielt. Aber etwas verändert sich: Der Service kommt an den Tisch. Ein Detail, das viel über die Richtung sagt, in die sich „Mein Lieblingsplatz“ entwickelt.
Während wir über die Baustelle gehen, begleitet von WMT-Wirtschaftsförderin Hanna May und WMT-Geschäftsführer Michael Eilers-Turau, wird klar, dass dieser Ort mehr sein soll als ein Café. Es geht um Aufenthaltsqualität, um Atmosphäre, um ein Angebot, das Menschen länger hält als einen schnellen Kaffee.
Draußen fahren Autos Richtung Klinik, oben am Hang beginnt der Sultmer. Drinnen werden Böden verlegt, Scheiben eingesetzt, letzte Wände verputzt. Mitarbeitende räumen Geschirr ein, wischen Flächen, sortieren, organisieren. Und mittendrin immer wieder Holm, der zwischen Baustelle und Vision pendelt. Mal kurz am Telefon, dann wieder im Gespräch, dann wieder still beobachtend. „Manchmal weiß ich gerade selbst nicht, wo vorne und hinten ist“, sagt er und lacht. Ein Satz, der ehrlich ist. Und notwendig. Alles wirkt wie ein Puzzle kurz vor dem Zusammensetzen.
Diese Puzzle will die WMT langfristig unterstützen, Bausteine liefern und richten helfen, sagen May und Eilers-Turau. Dazu gehört auch eine Nachfolgeregelung für die Räume in der Innenstadt, um die sich Holm Fröchtenicht bereits gekümmert hat. Die Bäckerei Herrmann wird zurückkehren und Mitte April öffnen.
Für Holm Frächtenicht bleibt aktuell wenig Zeit für einen Rückblick. Die Innenstadt, die ersten Jahre, die improvisierten Lösungen, die kleinen Erfolge und Rückschläge. All das bleibt Teil der Geschichte. Und das ist vielleicht auch ein Signal, ein Mutmacher. Dass Gastronomie in einer Stadt wie Northeim wachsen kann. Dass Mut und ein klares Konzept ihren Platz finden. Dass es sich lohnt, zu bleiben.

Noch sind es zwei Wochen bis zur Eröffnung. Die Eröffnungsparty ist für den 11. April geplant, offiziell öffnen die Türen am 16. April für alle Gäste. Bis dahin wird geschraubt, geputzt, eingerichtet. Und dann? Dann wird aus dieser Baustelle ein Ort. Einer, an dem Menschen sitzen, reden, lachen. Einer, der vielleicht wieder das wird, was der Name schon lange verspricht. Ein Lieblingsplatz.






