Kommentar: Wer an diesem Northeimer Sonntag wirklich gewonnen hat

Jörg Dodenhöft ist kein Mann großer Emotionen oder Gesten. Doch wenn in den vergangenen Wochen doch einmal der schwere Mantel des Wahlkampfes von ihm ging, ein guter Witz oder ein Wort die Runde machte, er mit Freunden und Vertrauten sprach. Dann strahlte es aus ihm heraus. Dieses breite, ehrliche Lächeln, die hohe Stirn und die hellen Augen.

Reklame

Am Sonntag war das anders. Auch jetzt fiel dieser schwere Mantel von ihm. Sein Blick beim Händeschütteln mit Simon Hartmann war aber anders. Leer, fast aus Stein. Ja, traurig.

Sein Gegenüber wurde gerade von den Northeimern zum Bürgermeister gewählt.

Bei diesem Wahlkampf stand nicht viel zwischen den beiden Kandidaten. Das lag nicht etwa am fehlenden Profil einer politischen Agende. Es lag daran, dass es bei dieser Wahl von Anfang an nicht um die Personen, sondern um die Sache ging. Wer auch immer Northeims Bürgermeister werden würde; ihn erwartete ein dicker Aufgaben-Katalog auf dem Schreibtisch im Rathaus.

Das Amt gab die Themen vor. Infrastruktur, Innenstadt, Wirtschaftsförderung, Stadtratspflege.

Der Wahlkampf zwischen den beiden war fair. Was sich die Anhänger unter anderem in den sozialen Netzwerken geboten haben, war verroht. War schlecht, böse und zum Teil niederträchtig. Es war wenig menschlich.

Northeim hat bei der Wahl auf den Reset-Knopf gedrückt. Die Wähler sind gescholten – sie bestraften Dodenhöft dafür, dass er Teil jener Zeit war, als das Rathaus ohne Erfolg geführt wurde. Egal, ob er zu dieser Zeit Problem oder Lösung gewesen ist.

Simon Hartmann ist der unbedarfte. Der, der über Jahre in Northeim gelebt und in Hannover politisch gearbeitet hat. Der seine Heimat kennt, aber mit nichts zu tun gehabt haben könnte. Und der im Grunde das gleiche will wie sein Gegenüber: Northeim weiterbringen.

Simon Hartmann hat die meisten Wählerstimmen bekommen. Er hat die Wahl gewonnen. Aber langfristig könnte Jörg Dodenhöft der Gewinner sein – und absolut die Stadt Northeim.

 

 

Denn diese Wahl schafft eine blühende Ausgangslage. Beide Männer loben ausdrücklich den Respekt zueinander. Hat Jörg Dodenhöft die Enttäuschung erstmal verarbeitet. Und hat er sich dazu entschieden, zu bleiben. Zusammenzuarbeiten mit Simon Hartmann. Dann lenken sie gemeinsam des Northeimer Rathaus. Jeder mit eben der Kompetenz, für die die Wähler ihnen ihre Stimme gegeben haben.

Denn das wussten alle: Bürgermeister könnte jeder von ihnen. Jetzt haben sie die Chance, es zusammen auf die Strecke zu bringen. Für Northeim.

Ein Kommentar von Christian Vogelbein zur Northeimer Bürgermeisterwahl.

https://steadyhq.com/de/northeim-jetzt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.