Es ist Sonntagnachmittag, kurz nach 15 Uhr, als sich vor dem großen Kran von Schnitger die nächste Familie anstellt. Ein kleiner Junge drückt die Hand seines Vaters fest, schaut nach oben und sagt nur: „Das ist ja höher als die Kirche.“ Wenige Minuten später schwebt die Hebebühne am Kran langsam über den Dächern der Innenstadt. 70 Meter über Northeim. Unten glänzen die Motorhauben in der Sonne. Menschen laufen mit Eisbechern zwischen Feuerwehrfahrzeugen und Ebikes hindurch. Livemusik, ein Ballon-Künstler. Irgendwo rennen Kinder um die Wette. Die NOM MOT 2026 hat an diesem Wochenende genau das geschafft, was sich viele in Northeim wünschen: Die Innenstadt war voll. Nicht hektisch. Nicht überladen. Sondern lebendig.
Schon am Samstag zeigte sich, dass die Veranstaltung größer geworden ist. Mehr Marken. Mehr Aussteller. Mehr Angebote. Viele Besucher blieben immer wieder vor den Fahrzeugen stehen und verglichen Modelle, Farben und Konzepte. „So viel Auswahl hatten wir hier noch nie“, war ein Satz, der häufiger fiel. Tatsächlich wirkte die NOM MOT in diesem Jahr breiter, offener und vielfältiger als zuvor. Vom Familienwagen bis zum Sportwagen, vom Fahrrad bis zum Einsatzfahrzeug war fast alles vertreten, was Räder hat oder Menschen bewegt. Und auch das Grinsen der Händlerinnen und Händler, die an diesen Tagen Pate stehen für ihre Autohäuser, ist breiter als sonst.
Und mittendrin: Familien.
Kinder saßen mit konzentriertem Blick einem Auto, das sie bemalen durften. Bunte Handabdrücke auf weißen Türen, Grüße und Sonnen. Krumm gemalte Herzen auf Motorhauben. Erwachsene fotografierten die kleinen Kunstwerke mit einer Ernsthaftigkeit, als ginge es um eine Ausstellungseröffnung. Daneben bildeten sich Schlangen beim Kinderschminken. Tiger, Schmetterlinge, Glitzersterne. Auch Erwachsene werden dabei „erwischt“, wie sie nochmal Kind sind. Wenige Meter weiter hatten die die Confetti Kids durchgehend zu tun, präsentierten ihre Kunstwerke im Atelier. Viele Kinder wollten gar nicht mehr weg, andere sofort wieder hin.
Vielleicht ist genau das das Geheimnis solcher Veranstaltungen. Autos allein reichen heute nicht mehr. Menschen wollen Erlebnisse und Gefühle. Orte, an denen man gemeinsam Zeit verbringt. Orte, an denen Kinder beschäftigt sind und Erwachsene trotzdem ins Gespräch kommen.
Und Gespräche gab es viele.
Die Autohäuser zeigten sich nach dem Wochenende entsprechend zufrieden. Immer wieder standen Besucher lange an den Fahrzeugen, stellten Fragen oder erzählten von ihren eigenen Erfahrungen. Keine sterile Verkaufsatmosphäre, eher neugierige Begegnungen zwischen Menschen, die sich tatsächlich für Mobilität interessieren. Auch die Zweiradfirmen berichteten von vielen intensiven Gesprächen. Gerade E-Bikes und moderne Fahrradkonzepte zogen zahlreiche Interessierte an.
Auffällig war dabei: Viele Besucher kamen an beiden Tagen wieder. Manche schauten am Samstag mit der Familie vorbei und am Sonntag noch einmal gezielt für Gespräche oder Einkäufe. Andere verbanden den Besuch einfach mit einem Innenstadtbummel.
Denn auch die Stadt selbst profitierte sichtbar von der NOM MOT.
Vor den Cafés und Restaurants waren fast alle Plätze besetzt. Menschen saßen in der Sonne, beobachteten das Treiben und ließen sich Zeit. Die Bedienungen liefen mit vollen Tabletts zwischen Kinderwagen und Einkaufstaschen hindurch. Gerade am Sonntag wurde deutlich, wie stark die Veranstaltung die Innenstadt belebt hatte. Ab 13 Uhr öffneten die Geschäfte zum verkaufsoffenen Sonntag. Danach wurde es richtig voll.
Vor allem das CityCenter und die umliegenden Geschäfte profitierten vom konstanten Besucherstrom. Händler zeigten sich begeistert vom Andrang. Viele Menschen nutzten den Tag bewusst für Einkäufe, Essen und Gespräche. Northeim wirkte an diesem Sonntag größer, dichter und lauter als sonst. Im positiven Sinne.
Dass das Wetter an beiden Tagen perfekt mitspielte, half natürlich. Blauer Himmel, milde Temperaturen, kaum Wind. Genau das Wetter, bei dem Menschen freiwillig länger draußen bleiben – die Gartenarbeit hatten sie ja schon am Vortag erledigt.
Auch die Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen trugen entscheidend zur Atmosphäre bei. Die Feuerwehr zog mit ihren Vorführungen viele Zuschauer an. Besonders die Rettung aus einem Fahrzeug sorgte regelmäßig für dichte Menschentrauben. Man merkte schnell: Viele Menschen schauen nicht nur aus Neugier zu. Sie wollen verstehen, wie solche Einsätze funktionieren – vor allem die Kinder wussten ganz genau, was als nächstes passiert.
Die DLRG brachte Fahrzeuge, Boote und ihr Maskottchen mit. Kinder liefen begeistert um das Boot herum, Erwachsene stellten Fragen zur Arbeit der Ehrenamtlichen oder probierten an einer Puppe eine Reanimation aus. Am Sonntag war zudem die Polizei vor Ort und informierte über Verkehrssicherheit und sogenannte Ekeltricks. Ein Thema, das vor allem viele ältere Besucher aufmerksam verfolgten.
Immer wieder zeigte sich an diesem Wochenende, wie stark solche Veranstaltungen heute mehrere Ebenen gleichzeitig bedienen müssen. Unterhaltung. Information. Begegnung. Wirtschaftsförderung. Familienangebot. Innenstadtbelebung. Die NOM MOT versuchte all das gleichzeitig zu sein. Und erstaunlich oft funktionierte genau das.
Auch organisatorisch zog die Veranstaltung positive Rückmeldungen nach sich. Besonders die kostenfreie Parkfläche am Mühlenanger bewährte sich. Vor allem am Sonntag wurde der Parkplatz stark genutzt. Viele Besucher nahmen die wenigen Minuten Fußweg zur Innenstadt gerne in Kauf.
Und dann war da noch dieser Kran.
Immer wieder blickten Menschen nach oben, wenn die Bühne langsam über Northeim schwebte. Schon von Weiten war sie zu sehen und sorgte dafür, dass die Kinder ihre Eltern etwas schneller zur City zogen. Manche winkten von unten. Andere machten Fotos. Für viele Familien wurde genau dieser Blick über die Stadt zum eigentlichen Highlight des Wochenendes. Vielleicht auch, weil er sinnbildlich für die Veranstaltung stand: einmal kurz Abstand gewinnen und sehen, wie viel Leben in dieser Innenstadt steckt. Dass der Erlös der Fahrten erneut an das Tierheim gespendet wird, passte dabei fast unauffällig ins Bild dieses Wochenendes und beweist erneut die Begeisterung und Nähe der Northeimer Firmer Schnitger. Eine Hebebühne haben sie an diesem Wochenende nicht verkauft, aber erneut Herzen für sich gewonnen. Vieles wirkte pragmatisch organisiert, aber nie kalt. Ein Unternehmen, dass Verantwortung für den Ort übernimmt. Ein Vorbild!
Als die NOM MOT am Sonntagabend langsam endete, standen noch immer Menschen vor den Fahrzeugen. Kinder hielten Luftballons fest. Kellner räumten die letzten Gläser ab. Und irgendwo sagte jemand im Vorbeigehen: „Nächstes Jahr kommen wir wieder.“ Das Freut nicht nur die Organisatoren der NOM MOT: die NOM WMT. „Läuft super, tolle Stimmung“, sagt City- und Eventmanager Michael Böhnert im Vorbeigehen. Inzwischen hat er auch ein Eis in der Hand. Die Arbeit ist getan.
Vermutlich war das die wichtigste Erkenntnis dieses Wochenendes. Die NOM MOT war nicht einfach nur eine Autoschau. Sie war ein Wochenende, an dem Northeim gezeigt hat, wie lebendig Innenstadt sein kann, wenn Menschen tatsächlich einen Grund haben, dort Zeit zu verbringen.







