Die Kommunalwahlen sind Geschichte, die Ergebnisse stehen in den Büchern. Hinter uns liegt ein langer Wahlkampf, viele Stimmen und Meinungen – und nun? Eine Nachfrage bei den Parteien auf Stadt- und Kreisebene.

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Gewinner

Die Grünen und die FDP haben jeweils einen Sitz gewonnen und besetzen künftig mit je vier Mitgliedern den Northeimer Rat. Auch die SPD hat nach der Kommunalwahl einen SItz hinzugewonnen und verstärkt ihre Mehrheit von 12 auf 13. Die CDU hat ihre zehn Sitze verteidigt.

Die meisten Stimmen als Einzelkandidat hat übrigens Tobias Schnabel (FDP) mit 1.591 für sich gewinnen können, gefolgt von Malte Schober (CDU) mit 970 und Holger Lambrecht (SPD) mit 719 Stimmen.

Verlierer

Die FUL verliert einen Platz und wird fortan zu zweit im Rat sitzen. Bei der vorherigen Wahl hatte sie ebenfalls zwei Plätze errungen, aber das Mandat eines wechselnden Mitglieds aufgenommen. Größter Verlierer ist die AfD im Northeimer Stadtrat. Sie büßt die Hälfte ihrer Sitze ein und wird fortan mit zwei Mitgliedern dem Stadtrat angehören.

Die Wahlbeteiligung lag bei der Wahl zum Stadtrat übrigens bei 53,88 Prozent.

Reaktionen

Bei der SPD freut sich Sebastian Penno als Vorsitzender des Ortsvereins nicht nur über den gewonnenen, zusätzlichen Sitz im Rat. „Das Ergebnis zeigt, dass sich die Northeimerinnen und Northeim eine ruhige, verlässliche und unpopulistische Politik wünschen, die sich um ein konstruktives Umgehen mit den Zukunftsfragen unserer Stadt, wie bspw. die Innenstadtsanierung und -gestaltung sowie die Schuwallhalle usw., bemüht, und nicht durch lautes Tönen und ständiges Ausbremsen und Verhindern auffällt.“ Auch mit der Bestätigung der SPD-Landrätin Astrid Klinkert-Kittel sieht der Sozialdemokrat die Bestätigung darin, „dass die Menschen im Landkreis Northeim hinter unserer Politik stehen und populistische Töne ablehnen.“

Die Northeimer CDU um Chef Malte Schober betrachtet das Ergebnis mit gemischten Gefühlen. „Wir haben unser zehn stimmen gehalten. Wenn mir das jemand vor zwei Monaten gesagt hätte, wäre ich wohl enttäuscht gewesen. Aber mit dem Gegenwind, der uns aus Berlin um die Ohren geflogen ist und unserem doch sehr jungen und neuen Team, können wir damit sehr zufrieden sein. Auch, wenn wir uns ursprünglich das Ziel gesetzt hattem, stärker oder sogar stärkste Fraktion zu werden. Aber wir haben tolle Ergebnisse dabei, deshalb nehmen wir das so an. Wir freuen uns auf die Arbeit in den nächsten fünf Jahren und ich denke, es wird auch Möglichkeiten geben, zwischen einigen demokratischen Parteien soetwas wie eine Gruppe oder Mehrheiten hinzubekommen. Der neue Stadtrat ist verjüngt, das finde ich gut.“

Bei den Grünen freut sich Hans Harer über das Ergebnis. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und freuen uns, wieder vier Mandat errungen zu haben. Für das gesellschaftliche Klima in unserer Stadt ist es beruhigend festzustellen,dass der Zuspruch zu den Populisten der AFD halbiert wurde. Wir freuen uns auf die Arbeit in unserer verjüngten und weiblicheren Fraktion.“

Für den Kreis zieht Karo Otte ein positives Fazit durch den hinzugewonnenen Sitz im Kreistag. „Die Kreistagsfraktion ist auf vier Abgeordnete angewachsen und nur knapp haben wir ein 5. Kreistagsmandat verpasst“, sagt die für ein Bundestagsmandat kandidierende Otte. „Nun freuen wir uns mit allen Mitgliedern gemeinsam im Kreistag und auch als Kreisverband außerhalb des Kreistages die nächsten fünf Jahre kommunalpolitisch zu gestalten.“

Bei der FDP ist Tobias Schnabel überwältigt von seinem persönlichen Ergebnis, hat sich für seine Partei insgesamt aber mehr erhofft. „Es ist betrüblich, das wir leider nur vier Sitze statt fünf haben. Aufgrund unserer guten Arbeit wäre das sicherlich verdient gewesen“, so Schnabel. „Deshalb wollen wir jetzt gucken, was wir für Northeim bewegen können.“ Mit Blick ins Kreishaus haben die Wähler laut Schnabel „eine Chance verpasst,  mit Christian Grascha für frischen Wind zu sorgen.“

Bei der AfD hadert Maik Schmitz mit den verlorenen zwei Sitzen, sieht sich in seiner politischen Arbeit aber dennoch gestärkt und bestätigt. „Als erstes möchten wir uns bei allen Wählern bedanken und wir stellen fest, dass wir uns etabliert haben und auf der politischen Bühne bleiben.“ Laut Schmitz wurden während des Wahlkampfes mehr als 300 Plakate der Partei zerstört, zudem kritisiert er die, es habe „keine objektive Berichterstattung“ gegeben.

Auch die geringe Wahlbeteiligung sei insgesamt ein Problem. „Zur Stadtratswahl in Northeim sind die sechs Prozent sicherlich nicht unser Wunschergebnis gewesen, aber die Kommunalwahlen sind anders als Landtagswahlen halt Personenwahlen“, resümiert Schmitz, der erfreut darüber ist, als Spitzenkandidat direkt in den Rat gewählt worden zu sein. „Und die erfolgreicher Arbeit der letzten fünf Jahre hier vom Wähler bestätigt wurde.“

Auf Kreisebene möchte Schmitz als Vorsitzender „mit dem Ergebnis (…) zufrieden sein. Man sieht dass wir in unseren starken Regionen Northeim und Moringen sehr gute Ergebnisse erzielt haben.“

Ernüchterung auch bei der FUL. Armin Töpperwien hat es nicht mehr in den Stadtrat geschafft und hatte entsprechend „Auf mehr gehofft. Offensichtlich endet der Zuspruch für parteipolitische Unabhängigkeit an den Ortschaftsgrenzen“, zeigt er sich zerknirscht. Bei der Freien unabhängigen Liste habe sich zudem der Eindruck breit gemacht, „dass sich ehrenamtliches Engagement für die Allgemeinheit nicht unbedingt im aktuellen Wahlergebnis widerspiegelt. Stellvertretend dafür steht Monika Nölting, Vorsitzende der Beiräte für Menschen mit Behinderungen (Stadt und LK). Lediglich 84 persönliche Wählerstimmen hat sie bekommen und das vor dem Hintergrund, dass sie sich seit Jahren sehr intensiv, auch auf Kosten ihrer Gesundheit, für die Belange dieser Menschen ehrenamtlich einsetzt.“

Glückwünsche richtet Töpperwien in Richtung Kreishaus. „Frau Klinkert-Kittel ist als Landrätin eindeutig bestätigt worden. Dazu gratulieren wir ihr. Wir hoffen gerade mit Blick auf das Thema Windenergie, dass die Landrätin und der neue Kreistag eine Veränderung bewirkt.“

Alle Ergebnisse lassen sich hier nachlesen. 

https://steadyhq.com/de/northeim-jetzt

 

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