Mit einem Notarzt am Smartphone will der Landkreis Northeim per Testprojekt noch schneller beim Patienten sein. Der zugeschaltete Mediziner soll an Einsatzorten vor allem die eingesetzten Notfallsanitäter unterstützen und entlasten. Wenn das Netz hält.

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Weniger Schmerzen

Der so genannte Telenotfallmediziner wird im Bedarfsfall per Videokonferenz auf das Diensthandy der Sanitäter geschaltet. Laut Landkreis sind die Ärzte besonders geschult. Durch den direkten Kontakt sollen sie die Retter vor Ort beraten und zum Beispiel das Verabreichen von schmerzlindernden oder lebensrettenden Medikamenten anordnen. Denn diese dürfen bisher ohne vorhanden Arzt nicht verabreicht werden, obwohl es die speziell ausgebildeten Notfallsanitäter fachlich könnten. So aber werde die Entscheidung bereits getroffen, ohne auf den anreisenden Notarzt warten zu müssen. Eine klare Entlastung also für den Patienten.

Neben Telefon und Bild werden aber auch die Vitaldate wie Herzschlag oder Blutdruck direkt an den Arzt beinahe in Echtzeit übermittelt. Beide Signale sollen technisch unabhängig voneinander übertragen werden, um sowohl sicher als auch stabil anzukommen.

Moderne Technik?

Zuletzt gab es im Kreishaus noch ärger, weil Patientendaten der Rettungsdienste unverschlüsselt per Funk übertragen werden. Mehrere Personen im Landkreis konnten die sensiblen Daten mitlesen. In diesem Fall werde aber das mobile Internet genutzt. „Der Datenaustausch geschieht über einen deutschen Server unter deutschen Datenschutzbedingungen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Kreishaus.

Pro Rettungswagen seien etwa 2.000 Euro in neue Technik investiert worden. Die Landkreise Goslar und Northeim haben nach zweijähriger Planung und Vorarbeit dieses Pilotprojekt aufgelegt, das im Vorfeld mit dem Innenministerium, dem Landesausschuss Rettungsdienst sowie mit den Krankenkassen abgestimmt wurde. Der Landkreis Goslar ist bereits Anfang Januar gestartet, planmäßig folgt jetzt der Landkreis Northeim zum 1. Juli 2021.

Testphase für zwei Jahre

Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre angelegt und soll Zahlen liefern, in welchem Umfang durch diese zusätzliche ärztliche Unterstützung der Notfallsanitäter eine sinnvolle Entlastung des Notarztes erzielt werden kann, heißt es aus dem Kreishaus. Statt in Northeim sitzt der Notarzt allerdings in Goslar und ist dort Teil der Rettungsleitstelle.

Vor Gesprächsbeginn soll der Patient darüber informiert werden, dass ein Notarzt per Videoverbindung zugeschaltet wird. Der Gesprächsaufbau kann nur vom Notfallsanitäter aus aufgebaut werden, eine unbeabsichtigte oder unkontrollierte Überwachung des Rettungsteams oder des Patienten ist weder möglich noch gewünscht, beteuert die Northeimer Kreisverwaltung in ihrer Mitteilung.

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