Beide Holzbrücken am Rhumedamm unweit des Brunkelskamp sind ab sofort gesperrt. Bauliche Mängel sind schuld, heißt es in einer ausführlichen Mitteilung der Stadtverwaltung. Dieser Schritt überraschte am Freitagvormittag nicht nur Spaziergänger Denn noch am Mittwoch hatten Bürgermeister und Baurat zwar klar den Zustand der Brücke bei einem Termin vor Ort beschrieben – der nun offenbar auch zur Sperrung führte. Dass diese aber schon nach Stunden, statt wie zunächst angedeutet in den nächsten Wochen, umgesetzt werde, irritiert.

FDP war schon vor Ort

Verwunderung auch am Freitagmittag bei Ratsmitgliedern der FDP, die sich vor Ort die Sperrung genauer ansehen. Eckhard Ilsemann und Alexander Hartmann sind es auch, die Spaziergängern und zwei Kindern erklären, wie sie jetzt über die Rhume kommen. Sie standen wie an diesem Wochenende wohl viele nach ihnen mit Fragezeichen vor Bauzaun und Absperrbarke. Entsprechend empört klingt es jetzt auch aus der Forderung der Northeimer liberalen, zeitnah Lösungen zu finden. „Das muss jetzt schnell gehen“, sagt Ilsemann. „Unsere Fraktion fordert, dass bis zu den Sommerferien eine neue Brücke her muss.“

Wer nun über die Rhume möchte, muss einen knapp 1,5 Kilometer langen Umweg gehen.

Schmalere Brücke könnte Kosten sparen

Um die Kosten zu senken, soll laut Ilsemann zwar weiterhin ein Bauwerk aus Aluminium errichtet werden. Dieses könnte aber deutlich schmaler werden als die bisherige Holzbrücke. Dort konnte bisher aufgrund der Breite von etwas mehr als drei Metern auch Fahrzeuge queren. „Eine Brücke für Fußgänger reicht an dieser Stelle vollkommen aus“, so Ilsemann. Dass die Stadt am Freitag die Brücke komplett gesperrt hat, könne er nicht nachvollziehen. Er fragt auch, was sich seit der Besichtigung durch Experten der Stadt Anfang der Woche verändert habe, dass die Sperrung am Freitag folge. „Wäre man da zum Schluss gekommen, dass die Brücke nicht verkehrssicher ist, hätte die Stadt sie sofort sperren müssen. Warum also Tagelang warten?“

Stadt widerspricht eigenen Aussagen

Tatsächlich gab es Anfang der Woche zwei Treffen mit Experten, einmal auch mit der Presse. Dort wurde der Zustand der Brücke klar benannt: Sie ist morsch, marode und auch eine Sanierung oder ein Erhalt sind nahezu unmöglich. Nach einem Zeitfenster für die Sperrung gefragt , sprachen Bürgermeister Simon Hartmann und Baurat Frederik Backhaus noch von „wenigen Wochen“, nicht aber von Stunden. Seitdem sind nicht einmal 48 Stunden vergangen, nun ist das Bauwerk gesperrt.

Sperrung ist Folge rechtlicher Prüfung

In einer Stellungnahme der Stadt heißt es: „Die Auswertung der Schadensbegutachtung führt letztlich zu der rechtlich unumgänglichen Sperrung der Brücken.“ Die Stadt könne also keine rechtliche Verantwortung mehr für die Sicherheit der Brücke übernehmen. Jedenfalls ab Freitag, die Tage zuvor aber schon. Ursprünglich sollte das Bauwerk so lange halten, bis die Stadt den politischen Ausschüssen neue Vorschläge unterbreiten könne. Der Rat hatte in seiner Sitzung Anfang Februar entschieden, die Brücke zunächst nicht abzureißen.

Auch die kleine Zugbrücke ist gesperrt. Kinder und Spaziergänger stehen mit Fragezeichen vor der Absperrung. Hinweise auf eine Ausweichroute gibt es nicht.

Sanierung und Erhalt unmöglich

Da aber auch Maßnahmen am Bauwerk laut Stadt nicht möglich sind, bleibt die Brücke ab sofort dauerhaft gesperrt. Einen neuen Vorschlag zum Neubau wolle und könne die Verwaltung frühestens Mitte März machen. Dann tagt der erste Fachausschuss. Die Empfehlungen daraus gehen schließlich weiter an den Rat, der abschließend entscheidet und die Stadt mit einer Lösung beauftragt. Ob es also bis zu den Sommerferien, wie es Ilsemann und seine FDP fordern, schon zu einer neuen Brücke kommt, ist fraglich.

Wer will, umgeht die Absperrung

Fraglich ist aus Sicht des Northeimers Ilsemann, der selbst am Sultmer wohnt und die Bedeutung der wichtigen Verbindung am Rhumedamm kennt, die Art und Weise der Sperrung. „Wir haben im Verwaltungsausschuss klar gesagt, dass, wenn es zu einer Sperrung kommt, diese ordentlich vorzunehmen sei.“ Die Sicherung nun mit Bauzaun und Barke sei seiner Meinung nach unzureichend. Insbesondere für Kinder sei es ein Leichtes, die Sperrungen zu überwinden und die Brücke trotzdem zu nutzen. Die Sperrung der kleinen Brücke lasse sich über die Wiese umgehen.

Brücke wird zur Attraktion

Mittlerweile strömen bereits die ersten Bewohner des Sultmers zu „ihrer“ Brücke und überzeugen sich selbst von der Maßnahme. Handys werden gezückt, Fotos gemacht und Köpfe geschüttelt. „Wir verlieren hier Lebensqualität“, sagt eine Anliegerin. Eine Familie mit Kindern dreht bei, als sie den Damm überqueren. „Da kommen wir ja gar nicht mehr lang.“ Schulkinder auf dem Weg in Richtung Sultmer stehen ebenfalls fragend vor der Sperrung. Ihnen bleibt nur die Wahl, sich eine Brücke mit dem Fernverkehr oder eine Brücke mit Kieslastern zu teilen. Oder aber zwei Kilometer Umweg über die Brücke am Rücking zu gehen.

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3 Kommentare

  1. […] Die Überraschung war groß, als die Stadtverwaltung die Holzbrücke am Brunkelskamp sperrte. Die Konstruktion sei nicht mehr tragfähig. Erst in der Bevölkerung, dann auch in der Ratspolitik war die Entrüstung darüber groß. Zwischen den Zeilen entbrannte ein Streit über den Doppelhaushalt, am Ende setzte sich die Politik durch. Eine neue Brücke aus Aluminium soll gebaut werden. Das ist allerdings bis heute nicht geschehen. Seit dem ist die Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer gesperrt. Weil sie einsturzgefährdet ist, wohlgemerkt. […]

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