Auch an diesem Montag sind im Landkreis Northeim Menschen unterwegs gewesen, um gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen zu protestieren. Nach wie vor geben sie sich dabei als einfache Spaziergänger aus. In Northeim begleitete die Polizei rund 120 Teilnehmende – und musste erneut eingreifen. Erstmals formierte sich auch ein stiller Gegenprotest. Trotzdem blieb es laut Polizei friedlich.

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Keine Spaziergänger

Pünktlich um 18 Uhr füllte sich der Marktplatz vor der Alten Wache in Northeim mit Menschen. Am Ende zählte die Polizei etwa 120 Personen, die mit Grabkerzen und in Gespräche vertieft gut eine halbe Stunde durch die Innenstadt spazierten. Mit einem Spaziergang hatte dies allerdings herzlich wenig zu tun. Ein Schluss, zu dem auch die Polizei seit Wochen kommt. Die Beamten hatten sich zu Beginn des Protestmarsches an die Teilnehmenden gewendet und an die Maskenpflicht erinnert.

Die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort. Die Stimmung war angespannt, einige Teilnehmende legten Atteste zur Maskenbefreiung vor.

Zuhörer gab es in diesem Fall nur wenige, sodass der Gruppen-Spaziergang schon zu Beginn in zwei Teile brach. Auch, wenn sich der überwiegende Teil an die Maskenpflicht hielt, mussten die Beamten mehrfach einschreiten. Vier Verstöße wurden registriert, wobei dreimal die Maske nicht getragen wurde. Ihnen wurde ein Platzverweis ausgesprochen, sie durften nicht mehr an der Veranstaltung teilnehmen. Zudem droht ein Ordnungswiedrigkeitsverfahren.

Vor Beginn des Protestzuges interessierten sich nur wenige für die Worte der Polizei

Darüber hinaus hat die Polizei Northeim einen vermeintlichen Versammlungsleiter festgestellt. Gegen diesen wurde ein Verfahren wegen der Nichtanmeldung der Versammlung eingeleitet. Wer die Person ist oder wie die Polizei ihn erkannte, teilte sie nicht mit. Später tauchten im Internet außerdem Fotos von Mitgliedern der Alternative für Deutschland aus dem Kreisverband auf, die teilweise ohne Maske an der Versammlung teilnahmen.

So verlief der Protest

Die Reihen der Protestierenden sind bunt gemischt, vor allem Pärchen nahmen teil. Unterwegs wurde über die Corona-Maßnahmen diskutiert und die üblichen Verschwörungstheorien und Falschinformationen verbreitet. Demnach handele es sich bei dem Impfstoff um Gift. Auch sei für viele nicht nachvollziehbar, warum die Gesellschaft solidarisch mit „den wenigen Infizierten“ sein sollte. Immer wieder wurde „Frieden“ und „Freiheit“ lautstark skandiert.

Am Entenmarkt legten Tagsüber Menschen Steine und Blumen nieder. Am Abend schützte ein angemeldeter stiller Protest die Gedenkstätte.

Auch antisemitische „Witze“ wurden erzählt und das angespannte Gesundheitssystem verspottet. Zu beginn führte der Protestzug auch am Entenmarkt vorbei. Dort wartete ein stiller Gegenprotest am Mahnmal jüdischer Opfer. In der Vergangenheit hatten die Demonstrationen an der Stelle geendet. Vertreter der Kirche, der Politik und aus der Gesellschaft hatten dazu aufgerufen, den Missbrauch dieses Mahnmals zu unterbinden.

Weitere Veranstaltungen im Kreis

In Einbeck kam es ebenfalls zu einer Versammlung mit sieben Teilnehmenden, die auf fünf Teilnehmende einer Gegendemo am Marktplatz trafen. Beide Gruppen hielten sich laut Polizei an die Maskenpflicht und die Abstandsregeln. Zwischen den Personen der Versammlungen kam es zu einem verbalen Austausch. Die Polizei trennte beide Gruppen, um verbale Entgleisungen zu vermeiden.

Bei weiteren Versammlungen im Landkreis Northeim in Hardegsen, Uslar und Bad Gandersheim nahmen laut Polizei rund 110 Personen teil. Die Versammlungen verliefen friedlich und ohne Gegenveranstaltungen oder sonstige Störungen, heißt es im Bericht.

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