Die Tage werden kürzer, die ersten Weihnachtslichter leuchten bereits in den Schaufenstern entlang der Innenstadt und auf dem Münsterplatz dreht sich am Wochenende wieder das Karussell. Vom 6. bis 8. November bringt der CityRummel Leben in die Northeimer Innenstadt. Besonders der große Lichterumzug mit den fantastischen Figuren des Theaters der Nacht verspricht einen jener Abende, an die sich vor allem Kinder noch lange erinnern werden. Am Ende des Artikels bekommst du unsere große Bildergalerie.
Es ist einer dieser Novembertage, an denen die Dunkelheit ein wenig früher kommt, als man es sich wünschen würde. Die Bäume haben einen Großteil ihrer Blätter verloren, die Luft ist kühl geworden und wer am späten Nachmittag durch die Northeimer Innenstadt geht, entdeckt in den Schaufenstern bereits die ersten Vorboten der Weihnachtszeit. Kleine Lichterketten schlängeln sich zwischen den Auslagen hindurch, leuchtende Sterne hängen über den Waren und hier und da steht bereits ein geschmückter Weihnachtsbaum. Der Einzelhandel hat die besinnliche Jahreszeit längst eingeläutet, während sich draußen die Menschen noch an den Gedanken gewöhnen, dass der Sommer nun tatsächlich schon einige Monate zurückliegt.
Noch sind es einige Wochen bis Weihnachten. Und auch die MünsterWeihnacht, die am 23. November beginnt, lässt noch auf sich warten. Doch an diesem Wochenende bekommt Northeim bereits einen Vorgeschmack auf jene besondere Zeit des Jahres, in der Licht und Wärme eine größere Bedeutung gewinnen. Der CityRummel verwandelt den Münsterplatz für drei Tage in einen kleinen Jahrmarkt. Zwischen Karussells, bunten Buden und dem Duft frisch zubereiteter Leckereien entsteht ein Ort, an dem Familien gemeinsam Zeit verbringen können. Es ist gewissermaßen ein erstes Aufwärmen für die bevorstehende Weihnachtszeit, auch wenn die Temperaturen dabei kaum behilflich sein dürften.
Wenn kleine Hände große Lichter tragen
Der wohl schönste Moment dieses Wochenendes gehört allerdings den Kindern. Am Samstag, 7. November, startete um 17 Uhr der große Lichterumzug, den das Kinder- und Jugendkulturzentrum gemeinsam mit der NOM WMT organisiert. Familien zogen mit ihren Laternen durch die historische Innenstadt bis zum CityRummel auf dem Münsterplatz. Ein vertrautes Bild, das jedes Jahr aufs Neue seinen ganz eigenen Zauber entfaltet.
Die Kinder sitzen warm eingepackt in ihren Kinderwagen, kuscheln sich unter dicke Winterdecken oder laufen mit roten Wangen und Handschuhen an den Händen neben ihren Eltern her. Manche tragen eine kleine Laterne, deren Licht durch buntes Papier schimmert. Andere haben gemeinsam mit ihren Familien gebastelt und dabei vermutlich festgestellt, dass Kleber, Transparentpapier und kindliche Vorstellungen von Perfektion nur selten dieselben Ziele verfolgen. Am Ende ist es gerade diese liebevolle Unvollkommenheit, die jede Laterne zu etwas Besonderem macht.
Während die Dunkelheit zwischen den Fachwerkhäusern aufzieht, werden die kleinen Lichter sichtbar. Eines nach dem anderen gesellt sich dazu, bis sich der ganze Umzug als leuchtendes Band durch die Straßen bewegt. Für die Kinder bedeutet dieser Abend vor allem Aufregung, Neugierde und die Freude darüber, selbst Teil eines großen Ereignisses zu sein. Für die Erwachsenen entsteht dabei häufig ein anderer Moment. Sie beobachten ihre Kinder, erinnern sich an eigene Laternenumzüge und erleben, wie wenig es manchmal braucht, um gemeinsam glücklich zu sein. Denn was bleibt eigentlich von solchen Abenden in Erinnerung? Es sind selten die großen Programmpunkte allein. Es ist die Hand, die eine Laterne festhält, die Freude über ein gelungenes Bastelwerk und der Stolz eines Kindes, dessen kleines Licht plötzlich Teil eines ganzen Lichtermeeres wird.
Fantasievolle Wesen zwischen den Fachwerkhäusern
Dass dieser Umzug weit über einen gewöhnlichen Laternenlauf hinausgeht, verdankt Northeim auch dem Theater der Nacht. Die fantasievollen Figuren des bekannten Northeimer Figurentheaters begleiten den Zug und verwandeln die vertrauten Straßen für einen Abend in eine Bühne voller ungewöhnlicher Begegnungen.
Wie eindrucksvoll das sein kann, zeigte sich bereits im vergangenen Jahr. Damals zog eine riesige Katze auf Stelzen durch die Menschenmenge. Ein leuchtender Fischkopf sorgte auch diesmal für staunende Gesichter und neugierige Blicke. Rund 600 Kinder waren auch heute mit ihren Eltern unterwegs und begegneten jenen wunderlichen Gestalten, die in der Welt des Theaters der Nacht ganz selbstverständlich zu Hause sind, auf einer gewöhnlichen Straße allerdings durchaus für Aufsehen sorgen.
Gerade für die jüngsten Besucher ist diese Begegnung ein Erlebnis. Die großen Figuren wirken zugleich fremd und faszinierend. Sie lösen Ehrfurcht aus, manchmal auch ein vorsichtiges Zurückweichen hinter die Beine der Eltern. Doch die Neugierde ist meist stärker. Ein zweiter Blick, ein behutsamer Schritt nach vorne und plötzlich wird aus dem ungewöhnlichen Wesen ein neuer Freund auf dem gemeinsamen Weg durch die Stadt.
Wenn der Münsterplatz zum leuchtenden Treffpunkt wird
Der gemeinsame Weg führt zum Münsterplatz, auf dem der CityRummel bereits seine Besucher erwartet. Hier drehen sich die Karussells, bunte Lichter spiegeln sich in den Augen der Kinder und zwischen den Ständen liegt jener vertraute Jahrmarktsduft, der unweigerlich Erinnerungen weckt. Für die Jüngeren steht vermutlich längst fest, welches Fahrgeschäft als Erstes ausprobiert werden muss. Für die Eltern bleibt die Hoffnung, dass es bei einer Runde bleiben könnte. Eine Hoffnung, deren Erfolgsaussichten erfahrungsgemäß überschaubar sind. Zum Glück gibt es den Familientag am Sonntag mit vergünstigten Preisen. Der CityRummel bringt Menschen zusammen, die sich im Alltag häufig nur flüchtig begegnen. Familien treffen Bekannte, Großeltern begleiten ihre Enkel und zwischen den Fahrgeschäften entstehen Gespräche, für die zwischen Arbeit, Schule und den vielen Verpflichtungen des Alltags oft wenig Zeit bleibt.
Wie eindrucksvoll der Abend auf dem Münsterplatz enden kann, zeigte die Feuershow vor der Kulisse von St. Blasien. Flammen stiegen in den dunklen Himmel, Funken zeichneten für wenige Augenblicke leuchtende Spuren in die Luft und die Gesichter der Zuschauer wurden vom Feuer erhellt. Besonders die Kinder verfolgten das Geschehen gebannt. Für einige dürfte es einer der ersten Momente gewesen sein, in denen sie die Kraft des Feuers aus so unmittelbarer Nähe erlebten. Sie sahen zu, wie die Flammen aufstiegen, wieder verschwanden und kurz darauf mit neuer Wucht zurückkehrten. Mit dem Ende der Vorstellung löste sich die Anspannung in begeistertem Applaus. Solche Bilder bleiben im Gedächtnis, weil sie sich tief mit dem Gefühl eines gemeinsamen Erlebnisses verbinden.
Die Menschen bringen das Licht in die Stadt
Der CityRummel setzt sich noch bis Sonntag, 8. November, fort. Dann steht insbesondere für Familien ein weiterer Besuch auf dem Münsterplatz auf dem Programm. Am Familientag kostet jede Karussellfahrt zwei Euro.
Die Weihnachtsbeleuchtung in den Schaufenstern gehört inzwischen zum gewohnten Bild einer Innenstadt im November. Sie kündigt eine Zeit an, in der die Menschen wieder stärker nach Nähe, Gemeinsamkeit und besonderen Erlebnissen suchen. Doch die schönsten Lichter dieses Wochenendes werden nicht von den Geschäften eingeschaltet. Sie kommen mit den Menschen.
Es sind die Northeimerinnen und Northeimer selbst, die ihre Laternen basteln, ihre Kinder warm einpacken und sich gemeinsam auf den Weg machen. Die Familien, die trotz der Kälte durch die Straßen ziehen, die Ehrenamtlichen und Organisatoren, die solche Veranstaltungen ermöglichen, und die vielen Menschen, die sich an den kleinen Dingen erfreuen, mit denen eine Stadt lebendig wird. Wenn sich der Lichterzug durch die Gassen bewegt, lässt sich dieser Gedanke unmittelbar erkennen. Jedes Kind trägt ein eigenes kleines Licht, jedes für sich kaum größer als eine Hand. Erst durch die vielen Menschen entsteht daraus ein Lichtermeer, das die ganze Innenstadt erfüllt.



