Bei Cortina in Northeim kommt der Eisbecher per Telefon (und Whats App)

Es ist schon gemein: da steckt die Welt in der größten Krise seit Jahrzehnten und das Wetter ist so sommerlich wie nie. Von den ersten Lockerungen in der Corona-Krise sollen vor allem die kleinen und lokalen Geschäfte profitieren: darunter auch die Eisdielen in Northeim. Unter strengen Auflagen dürfen sie ihr Eis nun Verkaufen: An Vorbesteller per Telefon und WhatsApp. Bezahlt und serviert wird dann aber wieder persönlich am Tresen.

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Ausprobiert

Bei 21 Grad und blauem Himmel ist die Stadt normalerweise voll – gut, voll für Northeimer Verhältnisse. Das ist zu Coronazeiten anders. Viele Radfahrer sind unterwegs, ansonsten bleibt es an diesem sonnigen Tag ruhig. Wir testen im Eiscafe Cortina direkt am Markt in Northeim. Geschäftsführer Carlos Rodrigues hat Schilder gezeichnet und aufgestellt, weist auf die strengen Auflagen hin. „Eis nur auf Vorbestellung“, ist darauf zu lesen. Bestellungen sollen vorab unter der Telefonnummer 05551/67175 aufgegeben werden. Auch eine Handy-Nummer für die Bestellung über Whats App gibt es. Das Eiscafe selbst ist geschlossen.

Eis gibt es in Northeim derzeit nur im Becher. Nach dem Auspacken müsst ihr euch mindestens 50 Meter von der Eisdiele entfernen.

Was erstmal nach viel Arbeit klingt, ist aber noch einfacher, als schnell mal was bei Amazon zu bestellen. Ein Anruf oder eine WhatsApp an die Nummer des Eiscafés reicht aus. In unserem Test gab es fünf Minuten später zwei Spaghettieis mit Erdbeeren, die Zahlung erfolgt an einem im Außenbereich eingerichteten Thresen – schneller hätte das bei normalem Betrieb auch nicht geklappt. Die Nachbestellung – drei Kugeln Eis – war genauso einfach.

Zwinkerauge von der Landesregierung

Kurios wird es allerdings bei der Abstandsregelung von 50 Meter. Denn eigentlich darf in diesem Umkreis das Eis nicht verzehrt werden. Auch Carlos Rodrigues hat dazu ein verwirrendes Schreiben der Kreisverwaltung bekommen. Dort werden erst die 50 Meter erwähnt, im nächsten Satz aber der Verzehr vor Ort erlaubt. Die Landesregierung selbst ruft in ihrer Frage-Antwort-Liste zu kreativem Ungehorsam auf – versehen mit einem Zwinckersmiley.

Gut verpackt geht das per Telefon bestellte Eis an den Gast. Geschützt serviert Carlos Rodrigues persönlich

Dort heißt es: „Bei der Anwendung der Verordnung darf insofern pragmatisch vorgegangen werden, als durch erstes rasches Lecken an einer Eiskugel während des zügigen Sichentfernens von der Eisdiele ein Heruntertropfen des Eises auf Kleidung oder Fußboden verhindert werden darf. Für den Verzehr des Resteises gilt jedoch der Abstand von 50 Metern. ;-)“

Übrigens: Das Eis gibt es aus Hygienegründen zwar nicht in der Waffel, dafür aber schön verpackt im Becher. „In anderen Regionen darf das Eis auch in der Waffel serviert werden“, sagt Carlos Rodrigues. Ob es dort aber auch so gut schmeckt?

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