Sirenenalarm am Samstagmorgen in Northeim. Mit einer Großübung trainierten die Rettungskräfte aus dem Stadtgebiet in der Innenstadt an der historischen St. Sixti Kirche den Ernstfall. Mehr als 100 freiwillige Helfer waren im Einsatz.

Sixti qualmt, brennt aber nicht

Qualm dringt aus der Spitze des Turms der St. Sixti Kirche, Spaziergänger richten ihre Blicke erschrocken nach oben. Die ersten Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr bahnen sich ihren Weg in die Innenstadt. „Zum Glück“, werden sich viele denken, ist es nur eine Übung. Und „zum Glück“ wären, sollte es doch einmal wirklich brennen, so schnell so viele helfende Hände bereit, zur stelle und ausgebildet bei der Sache.

Aufwändige Übung

Für die Northeimer Retter, allen voran die Freiwillige Feuerwehr, war es gleich aus mehreren Gründen eine besondere Übung. Zunächst war es eine der seltenen Übung seit der Corona-Pandemie in dieser Größenordnung. Ortsbrandmeister Rouven Goldberg hat dazu mit seinen Kameraden und in Absprache mit Stadt- und Kreisbrandmeister seit einigen Wochen diese Übung vorbereitet. Dazu sei er auch auf die Kirchengemeinde zugegangen, wo er durch sprichwörtlich offene Türen empfangen wurde.

Kirchengemeinde war und ist begeistert

Laut Gemeindevorsitzenden Christian Steigertahl ist es die erste Übung mit Sixti in dieser Art seit 2006. Seit dem habe sich, insbesondere nach den Renovierungen, vieles verändert. „Gerne“, so Steigertahl, „haben wir die Feuerwehr dabei unterstützt.“ Denn wichtig sei es, dass sich die Retter in der engen und verwinkelten Kirche zurechtfinden und im Notfall wissen, wohin sie gehen müssen – und wohin nicht. Vor allem der Weg zum Glockenturm oder die enge Büßertreppe hinauf sind auch ohne Schutzkleidung und Druckluftflasche auf dem Rücken eine physikalische Herausforderung. Das bekam auch einer der Retter zu spüren, der im Übungsverlauf zusammengebrochen war. Retter vom Roten Kreuz, die zum Eigenschutz genau für diesen Zweck mit eingesetzt waren, kümmerten sich genauso liebevoll um ihn wie Christian Steigertahl, der kurzum etwas zu Essen herzauberte.

Großeinsatz der Feuerwehr

Fast 100 Kräfte der Feuerwehren aus Northeim, Langenholtensen, Denkershausen, Hammenstedt, Lagershausen, Imbshausen, Sudheim und Bühle waren am Ende an der Großübung beteiligt, sagt Goldberg. Ihre Aufgabe war es – so wurde es in der Übung angenommen, vier Personen aus dem Dach und dem Turm der Kirche zu retten. Dabei handelte es sich um Schauspieler und zwei Puppen. Laut Übungsplan waren die vier mit Reparaturarbeiten beschäftigt, als im Dach der Kirche ein Feuer ausbrach. Nun galt es also, sowohl die Menschen zu retten als auch das Feuer zu löschen.

High-Tech und Spezialteams

Neben der reinen Manpower kam auch High-Tech zum Einsatz. Die Robotik-Gruppe der Kreisfeuerwehr war als Spezialeinheit zum Einsatz gerufen worden, um mit einer Drohne zunächst die Lage aus der Luft im Blick zu haben und gleichzeitig mit verschiedenen Bildern eine 3D-Ansicht der kompletten Einsatzlage anzufertigen. Außerdem wird aktuell eine Mini-Kamera getestet, welche die Rettungskräfte an der Brust tragen und Bilder und Videos live zum Einsatzleiter und sogar in die Einsatzleitstelle senden können.

Jeder Millimeter zählt

Auch im Einsatz war das Technische Hilfswerk. Die Spezialisten reisten mit einer Kamera an, die in der Lage ist, feine Bewegungen in und an einem Gebäude festzustellen. Durch diese Überwachung ist es den Rettern möglich, einen drohenden Einsturz vorherzusehen und so die Rettungskräfte rechtzeitig zu warnen. „Insgesamt bin ich mit der Übung sehr zufrieden“, resümiert Ortsbrandmeister Goldberg am Ende des Einsatztrainings. Beobachter waren neben dem Stadt- und Kreisbrandmeister auch Northeims Bürgermeister und der Kirchenvorstand. „Wir können dankbar sein, dass dies nur eine Übung ist. Aber wenn es zum Ernstfall kommt, sind wir vorbereitet“, betont der Northeimer Ortsbrandmeister.

Das haben die Retter gelernt

Er ist aber auch ehrlich und betont, dass nicht alles perfekt gelaufen ist. „Insbesondere im Bereich der Kommunikation können wir uns noch verbessern“, erklärt er. So kam es bereits bei der Alarmierung der weiteren Spezialkräfte zu einem Durcheinander. „Das schauen wir uns jetzt aber gemeinsam an und bewerten das und finden eine Lösung“, so Goldberg.

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Dann wurde es ernst

Wie wichtig solche Übungen und der Aufwand davor und währenddessen ist, zeigt am Ende wieder die Realität. Noch während das Großaufgebaut der Retter an der St. Sixti Kirche trainierte, kam es im Bereich der Dammstraße in Northeim zu einem echten Einsatz. Dort war Essen auf einem Herd angebrannt und hatte eine Wohnung verraucht. Die Feuerwehr aus Höckelheim, die nicht an der Übung beteiligt gewesen war, kümmerte sich darum und verhinderte vermutlich Schlimmeres.

Titelbild: Kreisfeuerwehr Northeim

1 Kommentar

  1. […] „In diesem ganzen Einsatzjahr hatten wir viele Situationen, bei denen wir mit anderen Organisationen zusammengearbeitet haben. Ich muss ganz klar sagen, dass diese Zusammenarbeit immer von einer sehr, sehr guten Kommunikation und Professionalität geprägt ist“, lobt Goldberg auch die Zusammenarbeit mit Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk oder anderen Fachgruppen der Feuerwehr im Landkreis Northeim. Erstmals seit der Pandemie wurde diese Zusammenarbeit auch wieder geübt. Eine Großübung an der St. Sixti Kirche forderte den Einsatz aller Kräfte.  […]

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