Tore, Bratwurst, Sommerwetter. Das Benefiz-Fußballspiel am Freitagabend lockte rund 700 Besucher an das Gustav-Wegner-Stadion. Der Kick zwischen einer Auswahl von FC Eintracht und der Stiftung ProRettung hatte aber einen ernsten Hintergrund, denn mit Spendenerlösen sollen Menschen in den Flutregionen im Südwesten Deutschlands unterstützt werden. Und das hat offenbar sehr gut funktioniert.

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Ein Spiel für das Leben

Kurz nach 19 Uhr war Anpfiff, den ersten Ball schlug Bundesverdienstkreuzträger Bernd Schneider aus Hardegsen in das Feld der roten Eintracht. Die Mannschaft der Stiftung ProRettung spielte ganz in Blau-Weiß und war besetzt mit ehrenamtlichen Rettungskräften und Northeimer Lokalprominenz.

Rund eine Woche vorher hatte der Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne als Chef der Stiftung ProRettung gemeinsam mit der Eintracht zu dem Benefizspiel aufgerufen. Zahlreiche Sponsoren und Unternehmer aus Northeim sagten ihre Unterstützung zu, stellten Getränke, Bratwurst und Geld zur Verfügung.

In einem Feuerwehr-Käfer am Eingang des Stadions wurden zudem Spenden gesammelt, Eintritt musste nicht gezahlt werden. Das Geld soll dann im Rhein-Erft-Kreis dabei helfen, Kindergärten und Spielplätze wieder aufzubauen. Bis zum Sonntag waren mehr als 15.000 Euro zusammengekommen. Wer möchte, kann aber weiter spenden.

Spendenkonto bei der Kreis-Sparkasse Northeim IBAN: DE07 2625 0001 0172 0053 08 (Stichwort Pro Rettung).

Zum Spielverlauf

Nach 90 Minuten einigten sich beide Teams auf ein 3:3. Das Elfmeterschießen musste entscheiden, auch hier setzte sich die Eintracht mit einem 5:3 durch. Tatsächlich stand es nach zweimal 30 Minuten aber 9:2 für die Eintracht. In den roten Trikots schossen Spieler und Spielerinnen der Jugend- und Seniorenmannschaften die Tore, alle zehn Minuten wurde das Team komplett durch gewechselt, sodass von den Jüngsten bis zu den Damen alle Eintrachtler Spielminuten bekamen.

Aufseiten des Teams ProRettung hatte Ex-Eintracht-Trainer Philipp Weißenborn sein Team eine Stunde vor Anpfiff taktisch ordentlich eingestellt. Der Kader bestand neben Rettern von Feuerwehr, THW und Johanniter auch aus bekannten Northeimern. Neben dem Sparkassen-Vorstand Bernd Sommer spielten auch HNA-Redaktionsleiter Olaf Weiss und – welch Überraschung – Christian Vogelbein von Northeim-jetzt mit. In der zweiten Halbzeit waren außerdem der Musiker Tomas Sniadowski und der Northeimer Gastronom Maurizio Testa – früher mit Marco Bode bei Werder Bremen aktiv – auf dem Rasen.

Für die Eintracht sprach vor allem das Tempo der jungen Kicker, doch beim Team ProRettung griff die Abseitsfalle effektiv zu. Außerdem glänzte HNA-Redaktionsleiter Olaf Weiß in der ersten Halbzeit mit einigen Paraden zwischen den Pfosten. Die Stiftung stellte erst nach einem Freistoß und später durch einen umstrittenen Elfmeter den Anschluss her.

Was besonders war

In den Schlussminuten zeigte auch Stiftungs-Chef Roy Kühne, wie gut er mit einem Fußball umgehen kann. „So ein Kopfball tut ganz schön weg“, sagte er später am Bratwurststand. Für jeden Ballkontakt gab es Applaus und Jubel. In der Halbzeit trat der Fanfarenzug Linda/Harz in voller Besetzung auf den Platz – wie angekündigt ebenfalls ohne Gage.

Moderiert wurde das Spiel und der Abend von Tomas Sniadowski und Stadion-Sprecher Moritz Braukmüller, die sich am Spielfeldrand den wortwörtlichen Ball zuspielten und das Publikum unterhielten.

Stadionsprecher Moritz Braukmüller moderierte während des Spiels und plauderte mit den Auswechselspielern.

Vor Spielbeginn haben Unternehmer und Vereine große Schecks mit zusammen mehr als 8.000 Euro übergeben, am Eingang zum Stadion war der Feuerwehr-Käfer mit einer Spendenbox aufgestellt. Außerdem waren Getränke und Speisen von Northeimer Supermärkten – Tobias Schnabel und Sven Gippert – gestellt, sodass die Erlöse ebenfalls mit in den Spendentopf flossen.

Besucher und Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich vor dem Betreten des Stadions auf eine mögliche Corona-Infektion testen zu lassen. Ein entsprechendes Hygienekonzept war ebenfalls hinterlegt.

Was übrig bleibt

Für mich persönlich war es eine Ehre, als Spieler mit auf dem Feld gestanden zu haben. Vor allem aber hat es riesigen Spaß gemacht, auch, wenn trotz Training die Kondition für ein Fußballspiel bei weitem nicht ausreichend war. Am Ende blieb diesbezüglich eine feste Wade, um die sich aber noch am Abend die medizinische Abteilung des Gesundheitszentrums Dr. Roy Kühne mit einer kräftigen Massage gekümmert hat.

Northeim-jetzt Redakteur Christian Vogelbein (Mitte) stand als Nummer 11 auf dem Platz. Außerdem kickten Kräfte vom THW, der Feuerwehr und der Johanniter gemeinsam mit Northeimer Prominenten wie Maurizio Testa (links) mit.

Jeder Ballkontakt war umjubelt, egal auf welcher Seite des Spielfeldes. Trotz allen Spaßes stand aber ein ernstes Thema im Mittelpunkt. Die Bilder aus dem Südwesten Deutschlands werden uns noch lange Zeit begleiten. Die Retter, die es live vor Ort gesehen haben, werden noch Jahre davon erzählen. Die Hoffnung, dass uns das nicht passiert, ist genauso menschlich wie das gemeinsame Gebet vor dem Spiel durch Pastor Jens Gillner.

Zu hoffen ist, dass unsere Hilfe etwas bewirken kann. Auch an diesem Wochenende haben sich aus dem Landkreis hunderte Helfer auf den Weg gemacht. Hilfsorganisationen, Landwirte, Privatmenschen unterstützen vor Ort, ohne zu hinterfragen. Wenn es darauf ankommt, stehen Menschen zusammen. Steht Northeim zusammen.

Nach einer langen Corona-Durststrecke war dieses Benefizspiel ein Fest für Northeim und die gute Sache. Es war der Beweis dafür, das Northeim und Northeimer zusammenstehen können und wollen, um gemeinsam Gutes zu tun. Doch dafür braucht es Engagement: jedes einzelnen Bürgers, egal ob im Ehrenamt oder nicht. Es zeigt aber auch, wie einfach es sein kann, sich einzubringen und mit anzupacken. Und egal, wen Sie an diesem Abend fragen, werden Sie hören: Helfen macht Spaß und glücklich.

Fotos: Stiftung ProRettung/Konstantin Mennecke, Kreisfeuerwehr/Horst Lange/Joel Fröchtenicht

Videos: Northeim jetzt/Christian Vogelbein, Stiftung ProRettung

https://steadyhq.com/de/northeim-jetzt

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