#AnGedacht: Don Camillo und Peppone

#AnGedacht ist die Serie auf Northeim-jetzt, in der sich Pastor Jens Gillner von der Northeimer Corvinus-Gemeinde ein paar Zeilen Zeit nimmt. Einmal im Monat erscheint seine Kolumne exklusiv auf Northeim-jetzt.

Eine dringliche Bitte nach den Wahlen

Neue Gesichter an der Spitze wecken neue Hoffnungen – und/oder auch Befürchtungen.

Seit dem Super-Wahlsonntag am 11. März gibt es nun wieder einen neuen Bürgermeister für Northeim und auch neue Kirchenvorstände in unseren evangelischen Kirchengemeinden. Auch wenn die jeweilige Staffelübergabe noch nicht erfolgt ist, so wird schon munter darüber debattiert, was unbedingt angegangen werden muss, worauf zu achten sein wird, und was – bitteschön! – besser nicht passieren sollte.

Neue Gesichter haben es darum von Anfang an meist schon nicht leicht, weil sie mit allerhand Erwartungen überfrachtet werden.

Es braucht aber Zeit, um sich in die Arbeit und in die z. T. schon lange vorher bestehenden Probleme einzufinden, um Ideen und Lösungsstrategien zu entwickeln.

Und vor allem: Es braucht ein gutes Arbeitsklima, in dem man sich grundsätzlich wohlgesonnen begegnen kann. Niemand wird die vielfältigen Aufgaben allein bewältigen können – sei er Bürgermeister oder Pastor/Pastorin, sei es eine Partei oder Gruppe innerhalb einer Gemeinde. Auf den Zusammenhalt der Mannschaft kommt es an – Stadtrat oder Kirchenvorstand – ob, was und wie die Dinge bewegt werden. Das kennen wir ja schon zu Genüge vom Fußball her. Wer will sich schon ein Spiel anschauen, in dem der eine über den anderen fällt und der Ball ständig im Aus landet?

Ein interessantes Modell der Zusammenarbeit habe ich kürzlich in einem Filmklassiker aus den 50ern wiederentdeckt: Don Camillo und Peppone mit Fernandel und Gino Cervi in den Hauptrollen.

Die Handlung setzt sich aus vielen kleinen Einzelepisoden nach den Romanen von Giovannino Guareschi zusammen. Der rote Faden des Films bilden die ständigen und nicht selten „handfest“ ausgetragenen Kämpfe zwischen dem kommunistischen Bürgermeister und dem „reaktionären“ Pfarrer in einem kleinen Dorf in Norditalien. Nach außen hin sind sie sich spinnefeind. Einer versucht dem anderen immer mal wieder eins auszuwischen, was nicht selten zu einem regelrechten Katz-und-Maus-Spiel ausartet und viel Komik beinhaltet.

Mich berühren jedoch gerade die Szenen, in denen beide – meist sehr spontan – dann plötzlich doch zusammenhalten, um eine Gefahr vom Dorf abzuwenden, Streitereien unter den Dorfbewohnern zu schlichten, oder den Bau gemeinnütziger Gebäude voranzutreiben.

Dann sieht man mehr als deutlich, wie sehr sich die beiden Haudegen bei allem vordergründigen Gezänke doch schätzen und respektieren – und wie sie auch einander brauchen. Irgendwann fällt im Film dann der Satz vom Erzähler: Eigentlich geht es ihnen um dieselbe Sache: Um das Wohl der Gemeinde.

Was hier so augenzwinkernd und scheinbar beiläufig daherkommt, ist doch im Grunde ein zentraler Lehrsatz für eine gelingende Zusammenarbeit. Will heißen: Behaltet bei allen Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten, die ihr miteinander habt, die Menschen im Auge, die euch anvertraut sind! Ihr, die ihr die Dinge positiv beeinflussen und vorantreiben könnt, lasst euch nicht vom Streit auseinander reißen!

Haltet zusammen, wenn ihr etwas bewirken wollt, wenn es zuvor auch „gekracht hat“. Denn es gibt wahrlich genug Baustellen – in der Stadt wie in den Kirchengemeinden. Vor diesem Hintergrund richtete einst auch der Prophet Jeremia einen entsprechenden Aufruf an die jüdischen Exulanten im fernen Babylon: Suchet der Stadt Bestes […] und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr gut geht, so geht’s auch euch gut (Jer 29,7).

Das ist dann auch meine Bitte an die z. T. neu gewählten Entscheidungsträger in Kommune und Kirche. Und ich bin sicher: Die Freude und die Dankbarkeit der Menschen darüber, dass ihr Dinge gemeinsam zum Abschluss und zum Blühen gebracht habt, wird euch auf dem Fuß folgen.

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