Es ist kurz nach zehn an einem grauen Novembervormittag, als sich im City Center Northeim ein leises Rascheln bemerkbar macht. Eine Frau bleibt stehen, schaut erst skeptisch, dann ein wenig gerührt auf den bunt geschmückten Baum in der Mitte des Einkaufszentrums. Zwischen künstlichen Tannenzweigen hängen Dutzende kleiner Kugeln – rot, blau, golden. Auf einer steht in krakeliger Kinderschrift: „Ich wünsche mir ein Buch mit vielen Pferden.“

So beginnt auch in diesem Jahr die Wunschbaumaktion – eine Tradition, die aus Northeim kaum noch wegzudenken ist und dennoch jedes Mal neu überrascht. Organisiert wird sie gemeinsam vom Tagestreff Oase, den Stadtwerken Northeim, der NOM-WMT, dem City Center Northeim und dem Kinder- und Jugendkulturzentrum Alte Brauerei. Dahinter steckt kein großes Marketingprojekt, kein strategisch durchkalkulierter Imageplan, sondern etwas ziemlich Bodenständiges: Menschen, die Menschen helfen. Still, einfach, direkt.

„Wir möchten Kindern ein Lächeln schenken“, sagt Stefan Loheide vom Kinder- und Jugendkulturzentrum. Er erzählt, dass im vergangenen Jahr über 100 Wünsche erfüllt wurden. Manche hätten Lego oder Playmobil gewünscht, andere Malblöcke oder einen Fußball. Ein Kind wollte einfach nur warme Handschuhe. „Das klingt banal“, sagt er, „aber für einige Familien ist selbst ein kleiner Wunsch ein Luxus.“ Der Wunschbaum im City Center ist inzwischen ein kleiner Fixpunkt vorweihnachtlicher Routinen. Manche Besucher nehmen sich jedes Jahr eine Kugel – so selbstverständlich wie Adventskalender kaufen oder Plätzchen backen.

Andere bleiben erst stehen, zögern, fragen sich vielleicht: Soll ich? Kann ich? Macht das überhaupt einen Unterschied?

Manchmal, erzählen Helfende aus vergangenen Jahren, kämen sogar kleine Rückmeldungen – ein gemurmeltes „Danke“, ein Bild, selten eine Karte. Doch das Projekt lebt gerade davon, dass Gebende und Empfangende sich nicht kennen. Das Geschenk, sagen die Organisatorinnen und Organisatoren, soll frei sein von Erwartungen. Einfach ein Zeichen:*Du bist nicht vergessen.

Wer mitmachen möchte, muss nur drei Schritte beachten:

  • Wunschkugel nehmen. Ab sofort am Baum im City Center.
  • Geschenk besorgen. Wert etwa 20–25 Euro – am besten lokal.
  • Verpacken und abgeben. Bis spätestens 10. Dezember 2025 im Kinder- und Jugendkulturzentrum, Schaupenstiel 20.

Und dann? Warten. Denn die Übergabe erfolgt kurz vor Weihnachten – oft mit glänzenden Augen, manchmal mit schüchterner Freude. „Kein Kind soll leer ausgehen“, sagt Beate Wernicke vom Tagestreff Oase. Und falls doch noch eine Kugel bis zum Ende hängen bleibt, springen wie in den Vorjahren die Stadtwerke Northeim ein.

Vielleicht ist das, was diese Aktion besonders macht, kein spektakulärer Moment, keine große Geste,  sondern eine leise Erkenntnis: In einer Zeit, in der vieles teuer, hektisch und kompliziert wirkt, kann etwas sehr Einfaches erstaunlich viel bedeuten.

Die ersten Kugeln hängen schon. Und vielleicht, wenn man genau hinschaut, wirkt der Baum gar nicht kitschig, sondern ein wenig wie eine Erinnerung: dass Gemeinschaft manchmal so funktioniert – Wunsch für Wunsch, Geschenk für Geschenk.

Und wer weiß? Vielleicht steht auch heute noch jemand davor, liest einen Wunsch und sagt leise: „Das kriegst du.“

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