Nachdem die Northeimer Polizei am Wochenende einen 39-Jährigen ermittelte, der sensible Daten der Rettungs-Leitstelle ins Internet veröffentlichte, stellt sich nun heraus: große Mühe hatte der Mann offenbar nicht, um an die Daten zu kommen. Wie der NDR außerdem berichtet, handelt es sich bei dem Mann um ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. 

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Kritischer Datenschutz

Wer im Landkreis Northeim telefonisch die 112 wählt, landet automatisch in der Einsatzleitstelle an der Von-Menzel-Straße im Northeimer Süden. Dort werden zum einen die Notrufe für Feuerwehr und Rettungsdienst entgegen genommen und die Einsatzkräfte alarmiert. Doch auch Krankentransporte werden dort geplant und angemeldet. Diese Informationen werden anschließend per Funk an die Meldeempfänger der Retter gesendet. Dort aufgelistet stehen dann Namen, Adressen und im Falle der Rettungsdienste auch Krankheitsbilder und sensible Informationen.

Genau diese Daten hat der beschuldigte 39-Jährige offenbar mit einfachen Mitteln abgegriffen und über eine Internetseite veröffentlicht. Viel Mühe musste er dabei offenbar nicht aufbringen. Auf Nachfrage hält sich der Landkreis Northeim zunächst zurück. Man betont lediglich, dass „der BOS-Funk (…) nicht frei zugänglich“ ist und „von Außenstehenden nicht legal empfangen werden“ könne. Alarmierungen auf den Funkmeldeempfängern werden auf den Geräten selbst nur decodiert. „Ein illegaler Eingriff hierauf“ habe „entsprechende strafrechtliche Konsequenzen.“

Codiert, nicht verschlüsselt

In der Regel werden im Landkreis Northeim Melder der Firma Swissphone benutzt. Um die Kommunikation zu verschlüsseln, müsste für jedes sich im Umlauf befindliche Gerät eine Lizenz erworben werden. Kosten: etwa 80 Euro. Pro Stück. Bei mehreren tausend Geräten im Landkreis eine nicht unwesentliche Investition.

Und die hat sich der Landkreis wohl gespart. Auf erneute Nachfrage heißt es: „Die Daten sind codiert“. Eine kurze Recherche in Internetforen zeigt: Alles, was es brauche, ist eine geeignete Antenne, ein Computer und frei zugängliche Software. Durch die Codierung werden die Daten bloß in ein anderes Format umgewandelt, sodass sie leicht rückgängig gemacht werden können. Bei einer Verschlüsselung werden Daten mit einem geheimen Code umgewandelt, sodass nur bestimmte Personen mit eben diesem digitalen Schlüssel die Umwandlung umkehren können.

Wie viele Personen diese Daten noch gesehen haben oder immer noch sehen, ist nicht bekannt. Die Kreisverwaltung geht aber davon aus, „dass eine Einsicht nur möglich war, wenn die entsprechende Internetadresse bekannt war“. Aufgrund der Länge, Art und Weise schließe man aber aus, dass diese Seite zufällig und einfach zu finden war. Laut Polizei sei sie aber mittlerweile vom Netz genommen. „Die Ermittlungen dauern an“, heißt es dazu auch vom Landkreis.

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