In der Stadthalle Northeim riecht es nach frischem Kaffee und klingt nach vielen Menschen. Es wird laut gelacht, weil ein alter Bekannter entdeckt wird. Es werden Hände geschüttelt, Schulterklopfen verteilt. Es ist einer dieser Abende, an denen sofort klar wird, worum es den Menschen im Handwerk eigentlich geht. Nicht um Ehrungen, nicht um Politik oder Festreden, sondern um Zusammenhalt und Werte. Der Gildentag der Kreishandwerkerschaft Northeim Einbeck ist so ein Ort, an dem sich Handwerk, Kommunen, Wirtschaftsförderung und Ehrenamt begegnen. Und an dem eine Frage unausgesprochen im Raum steht: Wie halten wir das alles zusammen?

Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau formuliert es gleich zu Beginn deutlich. Sein Thema ist Verantwortung. Gesellschaftlich, politisch, handwerklich. Und vor allem menschlich. „Es kommt nicht darauf an, wie du aussiehst. Es kommt darauf an, wer du bist“, sagt er und blickt in den Saal. Dann zählt er auf, fast beiläufig und gerade deshalb eindringlich. Ob jemand blond oder rothaarig sei, aus Hamburg, Florenz, Budapest oder aus Northeim komme. „Auch die haben den gleichen Stellenwert wie alle anderen.“

Kreishandwerksmeister Ulrich Schonlau

Schonlau spricht von der Walz. Von Gesellen, die früher durch Europa zogen, um zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Von Familien, die blieben oder zurückkehrten. Von Bewegung als Teil der handwerklichen DNA. „In jedem von uns steckt etwas Ausländisches“, sagt er und schiebt hinterher, halb philosophisch, halb trocken. „Außerdem ist jeder von uns Ausländer überall auf dieser Welt. Außer hier zu Hause.“ Die Botschaft ist klar. Offenheit ist kein modernes Schlagwort, sondern gelebte Tradition. Vor allem im Handwerk zählt genau das.

Doch der Abend bleibt nicht nur romantisch. Schnell wird es handfest. Schonlau beschreibt eine Arbeitswelt, die sich rasant verändert. Neue Technik, immer neue Vorschriften, politische Unsicherheiten. „Unsere Arbeitswelt verändert sich nahezu monatlich, vielleicht sogar täglich“, sagt er. Das Handwerk sei flexibel, seit Jahrhunderten sogar. Aber diese Flexibilität habe Grenzen. „Trotz all unserer Flexibilität benötigen wir verlässliche Rahmenbedingungen. Es ist Sache der Politik, für Konstanz und Planungssicherheit zu sorgen.“ Zwischen den Stuhlreihen wird genickt.

Es gehe um Bürokratie, Genehmigungen, öffentliche Aufträge. Um den berühmten Satz, den viele schon zu oft gehört haben. Dass das Handwerk eine tragende Säule der Volkswirtschaft sei. „Leider kommt dieser gut geölte Motor das ein ums andere Mal ins Stottern“, merkt Schonlau an. Seine Worte treffen einen Nerv. Nicht als Angriff, eher als nüchterne Bestandsaufnahme. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn. Optimismus gehört an diesem Abend dazu. Genauso wie die Würdigung jener, die oft im Hintergrund wirken. Das Ehrenamt.

FDP-Bundeschef Christian Dürr

Mit sichtbarem Stolz erzählt Schonlau von Fritz Vollbrecht, Uhrmachermeister aus Northeim, dessen Lebensleistung den künftigen Namen des Ehrenamtspreises der Kreishandwerkerschaft trägt. Und dann von dem Mann, der ihn als erster erhält. Studiendirektor und Architekt Erich Kalscheuer, jahrzehntelang engagiert in der Ausbildung junger Menschen im Bauhandwerk.

Den weiteren Abend gestalten eine Rede des FDP-Bundeschefs Christian Dürr, Ehrungen und eine Abschlussrede von Vize-Kreishandwerksmeister und Obermeister der Elektroinnung, Götz Girmann – jeweils mit deutlicher Kritik in Richtung Bundespolitik. Vor allem bleibt dem Handwerk am Ende dieses Abends aber der Händedruck: Als Zeichen des Grußes, als Öffnung für Neues und als Versprechen für Verbindlichkeit. Werte, die die Region zusammenhalten.

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