Im Gemeindehaus St.Sixti ist es an diesen Tagen etwas wärmer als in der Kirche gegenüber. Ein Stuhlkreis, gelbes Licht auf braunem Boden. Auf dem Tisch liegt der neue Flyer des lebendigen Adventskalenders mit einem winterblauen Northeim und kleinen Sternen darüber. Ein Kalender ohne Schokolade, dafür mit ganz vielen Begegnungen.

„Dieses Jahr wird es ein bisschen anders“, sagt Pastor Christian Völkers. Seine Stimme klingt neugierig, als wüsste er, dass Traditionen nur lebendig bleiben, wenn sie sich verändern. Dabei bleibt das Beste so, wie es ist. Zum zweiten Mal arbeitet er zusammen mit Beate Wernicke vom Tagestreff Oase an der Aktion. „Mit dem Advent erst bereiten wir uns auf Weihnachten vor.“ Ein Satz, der wirkt wie eine Erinnerung daran, dass Vorfreude nicht einfach passiert, sondern Zeit braucht.

Beate Wernicke sitzt daneben und betrachtet das Titelbild. Das Motiv stammt von Renate Diekmann. Northeimer Häuser mit Lichtpunkten, fast so, als würde es im Bild bereits klingen und klirren. „Wir Erwachsenen müssen uns den Zauber für Weihnachten immer erst erarbeiten“, sagt Wernicke und lacht kurz. „Bei Kindern geht das sofort.“ Dabei helfen soll in diesem Jahr wieder der lebendige Adventskalender.

Pastor Christian Völckers und Beater Wernicke vom Tagestreff Oase freuen sich schon auf den lebendigen Adventskalender

Der Kalender findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt. An jedem Abend im Dezember öffnet in Northeim eine andere Tür, meistens nur für 30 Minuten. Nicht länger, denn es soll kurzweilig bleiben. Manchmal ist es eine Kirche, manchmal ein Saal, ein Treffpunkt, ein Pflegeheim oder ein Vereinsraum. Bekannte Orte kehren zurück, wie die Superintendentur und das Theater der Nacht. Neue Gastgeber machen mit, darunter der Hospizdienst, das Jugendzentrum Haerztor, das Pflegeheim Stiemerling und die NOM WMT, wo es besondere Musik geben soll. „Wir sind selbst gespannt auf die Neuen“, sagt Christian Völckers. Fast so wie jemand, der gleich selbst ein Geschenk auspacken darf.

In solchen Momenten merkt man, dass dieser Kalender mehr ist als eine Reihe von Terminen. Er vernetzt Menschen und Einrichtungen, die sonst kaum zusammenarbeiten würden. Er schafft nicht nur Begegnungen zwischen den Gästen, sondern auch zwischen denen, die etwas beitragen.

Ein Klick auf das Bild bringt dich zum Programm

In diesem Jahr geht die Spende an die DLRG Northeim. Dieser Wunsch kam aus der Gruppe der Teilnehmenden selbst. Das wirkt fast selbstverständlich, wenn man weiß, wofür die Ortsgruppe arbeitet. Knapp 300 Mitglieder zählt sie, über die Hälfte davon unter 18 Jahre. Die DLRG Northeim bildet Schwimmer und Rettungsschwimmer aus, leistet Sanitätsdienste und sorgt am Freizeitsee Northeim dafür, dass aus einem Sommertag kein Unfalltag wird. Gerade verhandelt der Verein über den Kauf des Bootshauses, das er seit Jahrzehnten nutzt. Für einen kleinen Verein ist das ein großer Schritt. Die Spende soll helfen bei Ausbildung, Ausrüstung und Material. „Ein wunderbarer Zweck und ein toller Verein mit vielen jungen Ehrenamtlichen“, sagt Beate Wernicke.

Im Ablauf des Kalenders gibt es kleine Traditionen. Das Theater der Nacht, die Corvinus-Kirche, der Treffpunkt Oase – sie alle gehören fest in dem Ablauf. Neu ist am 6. Dezember das Kino in St. Sixti Kino mit „Drei Männer im Schnee“. Und am 23. Dezember, wenn die Stadt langsam zur Ruhe kommt, findet der letzte Termin statt. „Der 23. ist der Tag mit dem Zauber vor Weihnachten. Bevor es richtig los geht,“ sagt Christian Völckers. Für Beate Wernicke beginnt dieser schon zum Auftakt am 1. Dezember in der katholischen Kirche Mariä Heimsuchung.

Und vielleicht ist das der eigentliche Kern dieses Kalenders. Er verändert Menschen nicht plötzlich. Er entschleunigt sie ein wenig. Eine halbe Stunde lang darf Northeim zusammenkommen, zuhören, lachen, schweigen oder einfach atmen. Ohne Bühne, ohne Pflicht, ohne Perfektion. Der Advent beginnt, und Northeim öffnet Türen. Eine nach der anderen. Solange, bis der Zauber nicht gesucht werden muss. Sondern plötzlich schon da ist.

 

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