Die Stadt Northeim und die Suche nach den goldenen Töpfen

Die Stadt Northeim rüstet sich für die Zukunft. Erst vor wenigen Tagen wuchs die Liste der Stellenausschreibungen im Rathaus deutlich an. Neben zahlreichen handwerklichen Berufen und Bürojobs, lässt eine Job-Bezeichnung aufhorchen. Denn es geht um richtig viel Geld – für die ganze Stadt.

Bürgermeister Simon Hartmann hat schon im Wahlkampf vor mehr als einem Jahr erklärt, dass die Weiterentwicklung der Stadt Northeim eines seiner wesentlichen Ziele ist. Und das diese auch Geld kosten wird. Eine neue Sporthalle, die Feuerwehr und die Infrastruktur schlucken die ersten Millionen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Stadt Northeim immer noch Schulden abbauen muss, stellt sich die Frage: woher soll das Geld kommen? Eine Möglichkeit: Fördergelder.

Länder, Bund und Europäische Union stellen jedes Jahr Milliardenpakete zur Förderung unterschiedlicher Projekte bereit. Das beginnt beim Ausbau der Infrastruktur, dem Bau von Spielplätzen oder der Sanierung von Fachwerkhäusern bis zur Unterstützung von künstlerischen Einzelprojekten. Entscheidend ist nur, dass eine Kommune wie die Stadt Northeim davon weiß und sich mit ihren Themen rechtzeitig bewirbt. Dabei können sich die Kosten von Großprojekten schnell um mehrere Millionen Euro reduzieren.

Der unbekannte Dritte

Die Stadt Northeim will sich diese Töpfe nicht mehr entgehen lassen. Deshalb lässt eine Stellenanzeige auf www.northeim.de jetzt aufhorchen. Denn neben einem Gärtner oder einer Bürokraft, möchte Bürgermeister Simon Hartmann die Stelle der „Wirtschafts- und Projektförderung sowie Fördermittelmanagement“ besetzen. Wie bitte?

Gesucht wird ein echter Experte, der versteht, wie die wirtschaftlichen und touristischen Strukturen in Northeim funktionieren – und sie zu erhalten weiß. Ein echter Netzwerker, ein Stratege und Eventmanager. Ein Marketing-Experte und Klinkenputzer, der seine Augen und Ohren vom Landkreis bis in die EU hat. Ein Alleskönner also.

Liest man sich die Stellenbeschreibung so durch, könnte man denken: „Ist das nicht Aufgabe des Bürgermeisters“?

Die Rolle im Rathaus

Viele Aufgaben – netzwerken, Repräsentanz, Öffentlichkeitsarbeit – fallen tatsächlich direkt oder indirekt in das Tätigkeitsfeld des Bürgermeisters und seiner engsten Mitarbeiter. Aber eben genau so ein enger Mitarbeiter soll nun das Büro des Bürgermeisters erweitern.

Denn Teile der Aufgaben fallen auch die untergeordneten Geschäftsbereiche 1 – Kultur, Finanzen mit Jörg Dodenhöft an der Spitze – und Geschäftsbereich 2 – Stadtplanung, Städtebauförderung mit Lars Bredemeier als Chef.

Die neue Stelle des „Wirtschaftsförderers“ ist allerdings Teil des Büros des Bürgermeisters und damit eine Ebene darüber. Laut Bürgermeister Simon Hartmann ist das Absicht, „“weil die genannten Aufgaben interdisziplinär, also abteilungs- und geschäftsbereichsübergreifend wahrgenommen werden müssen.“ Laut Hartmann wird die Stelle „das Ohr an allen wirtschaftlichen, baulichen und touristischen Entwicklungen haben und dem Bürgermeister direkt berichten.“ Die Erkenntnisse sollen dann direkt in die Arbeit der Stadtverwaltung einfließen „und werden auch in die politischen Gremien gespiegelt“.

Ganz neu?

Diese Stelle sei allerdings keine Konkurrenz zu bereits bestehenden Strukturen. „Es geht dabei auch um eine weitere Fokussierung auf die genannten Themen und eine Bündelung der vorhandenen Projekte und Vorhaben“, sagt Hartmann. Anlaufstellen wie das Stadtmarketing oder Northeim-Touristik „leisten dabei schon jetzt eine hervorragende Arbeit“, urteilt der Bürgermeister. Der oder die neue Mitarbeiter/in sei dazu da, „mitzuhelfen, die Stadt Northeim wirtschaftlich und touristisch noch weiter zu entwickeln“.

Vor allem soll der Wirtschaftsförderer ein langer Arm des Rathauses hinaus in die Northeimer Wirtschaft sein. „Die Kontaktpflege zu den ortsansässigen Betrieben soll aus dem Büro des Bürgermeisters heraus weiter intensiviert werden“, erhofft sich Hartmann.

Die goldenen Töpfe

Neben dieser Aufgabe als Kontaktperson, soll im Sinne der Weiterentwicklung zentral jemand eingestellt werden, der einen Blick auf die großen Geldtöpfe außerhalb des Rathauses behält. „Der geplante Neubau der Schuhwallhalle zeigt exemplarisch, wie vielfältig und dynamisch die Förderlandschaft in EU, Bund, Land und Landkreis ist“, erklärt der Bürgermeister.  Deshalb sei es für ihn sinnvoll, „die Akquise von Fördermitteln zu bündeln und weiter zu professionalisieren, um alle zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten für anstehende Maßnahmen ausschöpfen zu können“.

Auch andere Städte in der Nachbarschaft, wie Hameln, Göttingen oder Einbeck, haben zentrale Anlaufpunkte für das Thema Wirtschaftsförderung.

Bewerbungsschluss

Bis zum 15. Februar nimmt die Stadt Northeim Bewerbungen entgegen.

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